Stoppt diese Frau den Bau von 66 Mietwohnungen?

Renate Link kämpft für das Hundertwasser-Café: Es sei ein Kunstwerk, und ein Kunstwerk könne man nicht erst zerstören und dann wieder aufbauen.
 
So hätte die Bürgerinitiative rund um Renate Link das Hundertwasser-Café am liebsten - erweitert und vergrößert und mit Türmchen versehen. (Foto: pr)
Hamburg: Hundertwasser Café |

Vertrauensfrau Renate Link von "Rettet das Hundertwasser-Café" sagt "Nein" zu Kompromissvorschlag. Jetzt verhandelt sie mit der Politik.

Renate Link (51) ist weder Investorin noch Grundeigentümerin, keine Architektin, keine Politikerin oder Behördenchefin. Aber sie hat es zurzeit praktisch allein in der Hand, ob in Ottensen für rund 200 Menschen Wohnungen zu vertretbaren Mieten entstehen können - oder nicht. Wie kommt eine gelernte Skilehrerin zu so viel Macht? Die Antwort: „Bürgerbegehren“.
Das Hundertwasser Café in der Behringstraße 42-44 sollte abgerissen werden. Renate Link startete ein erfolgreiches Bürgerbegehren zu seinem Erhalt. Alle Fraktionen in Altona schlossen sich an und verpflichteten sich, die Forderungen der Initative umzusetzen.
Das Grundstück gehört jetzt der Wohnbau GmbH, die in ganz Deutschland familienfreundliche Mietwohnungen baut. Nach langen Verhandlungen mit Behörden, Politik und Denkmalschützern hat die Wohnbau GmbH einen Kompromiss vorgelegt: Das Café wird erhalten und mit Wohnungen umbaut. Zwei Änderungen wird es geben:Die ehemalige Eventhalle kommt weg. Und es werden Zugeständnisse an die neuesten Sicherheitsanforderungen gemacht werden: Barrierefreiheit, breitere Fluchtwege.
Ein Kompromiss, mit dem die knapp 60 Besucher der öffentlichen Anhörung letzte Woche anscheinend gut leben können. Nur Renate Link sagte dort entschieden Nein: „Im Bürgerbegehren steht, das Café soll so wie Hundertwasser es gewollt hat, mit Halle und freistehend, erhalten werden.“ Link sieht ­– im Gegensatz zum Hamburger Denkmalschutzamt – den Bau als Kunstwerk, das man, wie die Mona Lisa, nicht anrühren dürfe, ohne es zu zerstören.
Nach Wochenblatt Informationen würde es rund 2,4 Millionen Euro kosten, das Café so, wie die Initiative fordert, wieder betriebsbereit zu machen. Das rechnet sich nie und für niemanden.
Von den Altonaer Politikern sagte keiner auf der Anhörung: Wir haben einen Punkt erreicht, an dem alles erreicht ist, was zu erreichen ist, und damit basta. Alle wollen zuerst das „Go“ von der Ini, um politisch glaubwürdig zu bleiben. In den nächsten Tagen verhandeln die Fraktionen mit der Initiative. Am 7. Dezember fällt die Entscheidung.
Beharrt die Ini auf ihrem Standpunkt, könnte das im schlimmsten Fall heißen: Alle Investoren ziehen sich zurück, das Grundstück ist verbrannt. Es gibt keine Mietwohnungen, das Hundertwasser Café bleibt, wo und wie es ist - und verfällt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ganz.

Info: Persönlich betroffen
Mehr persönliche Betroffenheit geht nicht: Renate Link hat das Stadtcafé Ottensen, genannt Hundertwasser Café, gemeinsam mit ihrem Jugendfreund und Geschäftspartner Rainer Bruns aufgebaut. Rainer Bruns war der Pächter. Das Hundertwasser-Café war, wie beide oft zitiert wurden, „ihr Lebenswerk“. Ihr Traum war, das Café zu einem Hotel im Hundertwasser-Stil zu erweitern.
Mit dem Verkauf des Grundstücks verlor Rainer Bruns nicht nur sein Café, sondern auch die Adresse und die Unterstellmöglichkeiten für sein Busunternehmen Alternative Busreisen - dem Unternehmen, dessen Geschäftsführerin Renate Link ist. CH

Kommentar von Christiane Handke-Schuller:
Das muss man ihr lassen: Renate Link hat mit ihrer Initiative das Hundertwasser-Café vor dem sicheren Abriss gerettet. Aber was kommt jetzt? Auf die Frage des Wochenblatts, ob sie denn glaube, in Sachen Hundertwasser-Café mehr erreichen zu können als sie schon erreicht hat, sagte Renate Link nur ein Wort: „Nein!“
Ein deutliches Wort. Deutlich ist auch, dass sowohl die Politik als auch die Wohnbau GmbH darauf angewiesen sind, sich mit der Initiative „Rettet das Hundertwasser Café“ zu einigen. Man muss also verhandeln. Aber worüber verhandeln, wenn Renate Link selbst sagt, sie könne nicht mehr erreichen als bisher?
Stellen wir uns vor, Link spielt ihren Moment der Macht aus und lässt für ihr „Ja“ beispielsweise durchblicken, dass sie bei der Wahl des Pächters für das Café gern mitreden würde. Oder - böser Gedanke -, dass eine finanzielle Entschädigung angebracht sei. Den Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet.
War das so gemeint mit den Bürgerbegehren? Dass noch ein paar mehr mitmauscheln können als bisher üblich?! Es schien alles so einfach: Die Inis waren die Guten; Politik, Investoren und Behörden waren die Bösen. Aber jeder, der plötzlich am längeren Hebel sitzt, kann in Versuchung kommen, auch der Bürger. Der Sinn von Bürgerbegehren war das eigentlich nicht.
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