Ringe für „Pastors schwarzen Tauben“

Vor allem als „Hupfdohle“ bekannt: Diese junge Dohle hüpft jetzt mit zwei beringten Beinchen durchs Leben. Foto: Nabu Hamburg
Hamburg: Kreuzkirche |

Nabu beringt zwei Dohlenküken im Turm der Kreuzkirche

Von Gaby Pöpleu. Die Vogelexperten waren überrascht: Nur fünf Dohlen-Junge fanden sie in den Nestern im Turm der Kreuzkirche der evangelischen Tabita-Kirchengemeinde Ottensen-Othmarschen. Zwei von ihnen waren groß genug um beringt zu werden, damit man ihr Schicksal verfolgen kann und dadurch mehr über Lebensweise der Rabenvögel erfährt.
So erhielten zwei Jungvögel einen silbernen Vogelwartenring und einen weißen Ornithologenring. Marco Sommerfeld, Vogelschutzreferent beim Naturschutzbund Nabu Hamburg, und Andreas Zours, ehrenamtlicher Beringer von der Vogelwarte Helgoland hatten eigentlich mehr Küken erwartet, konnten doch im letzten Jahr acht Vögel beringt werden. Vermutlich ist der nasskalte Frühling schuld, dass nur so wenige Vögelchen in den Nestern hockten, vermuten sie.
„Wegen ihrer Vorliebe für Kirchtürme wurden Dohlen früher ‚Pastors schwarze Taube‘ genannt. Das hat sich heute gewandelt, denn viele Gotteshäuser vergittern ihre Türme zur Taubenabwehr“, erklärt Marco Sommerfeld. „Damit gehen viele Nistplätze von Gebäudebrütern wie Dohle, Turmfalke, Fledermaus oder Schleiereule verloren.“ Mit dem Projekt „Lebensraum Kirchturm“ weist der Nabu auf die Gefährdung dieser tierischen Kirchturmbewohner hin und setzt sich für deren Schutz ein.

Nistkästen im Turm waren die Idee einer Kindergruppe

Im Ottenser Gotteshaus nisten die Dohlen seit vier Jahren. Dass das möglich wurde, war eine Idee einer Kindergruppe, schließlich stimmte auch der Gemeinderat zu. 2016 siedelte sich auch noch ein Turmfalkenpaar an. Auch die Diener Gottes sind’s zufrieden: „Wir konnten 2013 im Zuge von Sanierungsarbeiten einen Falken- und drei Dohlennistkästen im Inneren des Turmes anbringen“, erklärt Pastorin Monika Geray von der Tabita-Kirchengemeinde. „Wir freuen uns sehr, dass die Vögel dieses Nistangebot so gut angenommen haben und nun treue Untermieter in unserer Kirche sind.“ Das Naturschutz-Engagement der Gemeinde wurde 2014 vom Nabu mit der Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm“ gewürdigt.
In Hamburg gibt es noch rund 440 Dohlen-Brutpaare. Die Kreuzkirche und das angrenzenden Röhrigviertel sind das einzige Brutrevier in Zentrumsnähe.

Lebensraum Kirchturm

2007 startete der Nabu zusammen mit dem „Beratungsausschuss für das deutsche Glockenwesen“ das Projekt „Lebensraum Kirchturm“. Ziel der Aktion ist es, die Brutstätten für Turmfalken, Fledermäuse, Schleiereulen, Dohlen und andere Arten zu erhalten. Deshalb werden in renovierte Kirchtürme Nistkästen angebracht. Mittlerweile machen mehr als 1.000 Kirchen in Deutschland mit.
Für Gebäudebrüter hat der Nabu Hamburg darüber hinaus ein eigenes Schutzprogramm aufgelegt.
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