Pflanzen-Kunstwerke

Faszinierend: Ingeborg Niesler zeigt einen von ihr produzierten Herbarbogen. Zu sehen ist der Gemeine Lein (Linum usitatissimum), auch Flachs genannt. (Foto: cvs)

Eine Ausstellung im Loki-Schmidt-Haus beschäftigt sich
mit Sammlungen Hamburger Privatleute

Ch. v. Savigny, Klein Flottbek

Es begann mit einem Stein, der am Wegesrand lag. Vielleicht hatte er eine interessante Form oder ein ungewöhnliches Muster, so genau kann sich Ingeborg Niesler nicht erinnern. „Auf jeden Fall fand ich ihn so faszinierend, dass ich ihn eingesteckt habe“, sagt die Osdorferin, damals gerade mal vier Jahre alt. Bis heute hat sich Niesler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Botanischen Institut in Flottbek, ihre Sammelleidenschaft erhalten.

Zu den Steinen gesellten sich Muscheln, Schneckenhäuser, Briefmarken – später auch Streichhölzer (nach der Farbe ihrer Köpfe sortiert), sowie Insekten. Die größte Leidenschaft der studierten Biologin und Pflanzenkennerin gehören jedoch ihren Herbarbögen. Einige von ihnen sind zurzeit im Rahmen einer Sonderausstellung mit dem Thema „Sammeln – von Leidenschaft, die Wissen schafft“ im Loki-Schmidt-Haus zu sehen (siehe Infokasten).
Auf den ersten Blick wirken die Herbarbögen wie farbenprächtige Gemälde. Doch wer genauer hinsieht, bemerkt eine Detailtreue, wie sie kein Maler jemals hinbekommen könnte. „Ich habe auch Kunst studiert und finde Bilder daher faszinierend“, sagt Niesler. Aber irgendwann sei sie das Zeichnen der Pflanzenteile leid gewesen. „Nicht, weil es keinen Spaß machte, sondern, weil es so lange dauerte!“

Ausstellung
Die Ausstellung im Loki-Schmidt-Haus vermittelt einen Einblick in die Sammlungslandschaft des Botanischen Instituts der Uni Hamburg. Zusätzlich wird eine Auswahl von Hamburger Privatsammlungen vorgestellt. Die Besucher erhalten Antworten auf Fragen wie: Wann sind Sammlungen wissenschaftlich? Was macht sie zu Schätzen für die Forschung? Die Ausstellung (Adresse: Ohnhorststraße 18) läuft bis Ende November und ist täglich außer montags von 13 bis 17 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen bereits ab 10 Uhr, im November nur bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Früher wurde gezeichnet, heute wird gescannt

Die Lösung: Niesler legte die von ihr vorbereiteten Präparate – Blüten, Blätter und Samen in verschiedenen Quer- und Längsschnitten und auch als Ganzes – einfach auf den Scanner. Das Ergebnis sind wunderbar intensiv leuchtende Pflanzen-Kunstwerke. Dank eines qualitativ hochwertigen Scanners bekommen die Bilder sogar eine gewisse (Schärfen-)Tiefe. „Ich klappe den Deckel nicht zu, sondern lege ein schwarzes Samttuch darüber“, verrät Niesler ihr Geheimnis.
Die Bögen sind so detailgenau, dass sogar der Schmeil-Fitschen, das Standardwerk der Pflanzenbestimmung, Interesse angemeldet hat. Möglicherweise erscheinen einige von Nieslers Pflanzen-Scans – ihr Bestand liegt derzeit bei 1.500 Stück – in der nächsten Auflage als Beiheft.
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