Wo Kinder alles dürfen

Schön weit aufmachen: „Zahnarzt“ Justin (6) kümmert sich um „Patientin“ Soulaf (3). Foto: cvs
 
Schallwellen fühlen: Dieser 1,20 Meter große, chinesische Gong vibriert so stark, dass man die Luftschwingungen spüren kann. Foto: cvs
Hamburg: Klick Kindermuseum |

Anfassen, ausprobieren, verstehen: Das Kl!ck Kindermuseum im Osdorfer Born
ist speziell auf seine jungen Besucher zugeschnitten.

Von Christopher von Savigny. Wenn Kevin (5) mit Schwung die Faust hinuntersausen lässt, dann kommt aus dem Lautsprecher in der Tischmitte ein lautes Brüllen. Manchmal auch ein herzhaftes Gähnen, ein Seufzer - je nachdem. Besonders viel Spaß ist garantiert, wenn alle Kinder zusammen im Rhythmus drauflos schlagen: hier ein Schrei, dort ein Klatschen oder auch gerne mal etwas Unanständiges: ein Rülpser oder ein Pups zum Beispiel. Herrlich, dieses Geräuschekonzert! Und mindestens ebenso klasse, dass einem niemand irgendetwas verbieten kann!

Das Konzept: Richtig Radau machen und austoben

Unterwegs mit einer Kindergruppe der Kita Achtern Born im Kl!ck Kindermuseum. Das ist kein normales Museum – und nicht nur deshalb, weil das Alter der Zielgruppe zwischen sechs und und zwölf Jahren liegt: Denn während man in anderen Ausstellungen üblicherweise auf leisen Sohlen durch die Gegend schleicht und sich mit gedämpfter Stimme unterhält, lädt das Kl!ck geradezu dazu ein, sich auszutoben, Quatsch zu machen und Radau zu veranstalten. „Kinder sollen alles anfassen und ausprobieren dürfen!“ Das sagt Museumsleiterin und -gründerin Margot Reinig. Und auch diesen Satz: „Wenn einem immer alles vorgeschrieben wird, dann weiß man gar nicht, was einem überhaupt Spaß macht.“

50.000 Besucher im Jahr

Mehrere Ausstellungen im Kl!ck laden Kinder dazu ein, mit Gegenständen herumzuspielen, Klänge und Gerüche zu erforschen und die eigenen körperlichen Fähigkeiten auszutesten. Zum Beispiel Kopfstand machen und dabei eine Rosine hinunterschlucken. Geht das? Oder auf einem Wackelbrett balancieren und dabei eine Kugel ins richtige Loch zu bugsieren. Mit dem Stethoskop die Atemgeräusche des Gegenübers abhören. „Wenn man Kinder lässt, fangen sie richtig an, zu experimentieren“, sagt Reinig.
Und dann macht Selbermachen ja auch Mut. Denn wer weiß, was er alles kann, der traut sich auch viel mehr zu. Justin (6) zum Beispiel hat möglicherweise schon ein Berufsziel für sich entdeckt: „So, jetzt mach mal den Mund auf“, sagt er zu Soulaf (3), die soeben den Zahnarztstuhl im Ausstellungsraum erklommen hat. Justin nimmt seine Aufgabe sehr ernst, schnappt sich einen Bohrer und versucht sogar, die Lampen anzuschalten. Was leider nicht funktioniert, aber macht nichts – wichtig ist allein der Spaß an der Sache. Währenddessen klettert Arthur (5) begeistert in den Bauch einer überlebensgroßen Puppen-Mama, um sich anschließend wieder „gebären“ zu lassen. Daniel (3) betrachtet ebenso erstaunt wie amüsiert sein Ebenbild in einem Zerrspiegel. Wie bitte? Das soll ich sein? Ist ja witzig!
Gegründet wurde der Verein Kl!ck Kindermuseum vor über 20 Jahren, im Jahr 1993. Anfangs noch mit einer mobilen Ausstellung an wechselnden Orten in Hamburg unterwegs, konnte 2004 die Maria-Magdalena-Kirche im Osdorfer Born als Projektpartner hinzugewonnen werden. Gegen eine geringe Miete darf das Museum seither einen Großteil des Gemeindehauses (rund 2.000 Quadratmeter) nutzen. „Hell und großzügig, aber energetisch eine Katastrophe“, sagt Reinig über das 1970 gebaute Betongebäude. Aufgrund der schlechten Isolierung muss der Verein viel Geld für monatliche Nebenkosten aufbringen. Dafür hält sich die Besucherzahl auf konstant hohem Niveau: Zurzeit sind es 50.000 Besucher pro Jahr. Nicht mitgerechnet die Kinder aus dem Born – denn die dürfen das Museum gratis besuchen. Und soviel zum angeblich schlechten Image des Quartiers: „90 Prozent unserer Besucher kommen aus anderen Stadtteilen“, sagt Reinig. „Das ist wirklich ein guter Wert!“

Sensationell: Hier fährt die U4 schon zum Born

Natürlich sind auch Erwachsene im Kindermuseum gern gesehene Gäste: Sie können sich beispielsweise gemeinsam mit ihren Sprösslingen an der „Stäbchenwand“ im Eingangsbereich amüsieren, an dem sich so wunderbar einfach und anschaulich die eigene Körperform nachbilden lässt – und anderes mehr. Oder man schaut auf einen kurzen Besuch im U-Bahn-Führerhaus der Hamburger Hochbahn vorbei. In dem Simulator kann einmal die gesamte Strecke zwischen Jungfernstieg und HafenCity abgefahren werden, inklusive Fahrgastabfertigung an den Haltestellen.
Eigentlich ein unübliches Ausstellungsstück für das Museum, das so viel Wert auf sinnliche und unmittelbare Erlebnisse legt. „Elektronische Geräte haben wir ja sonst nicht", sagt Reinig und lacht. „Aber dafür können wir jetzt sagen: Wir haben die lang ersehnte U4 nach

Kl!ck Kindermuseum

Achtern Born 127, Tel. 41 09 97 77. Montag bis Freitag neun bis 18 Uhr, Sonntag elf bis 18 Uhr. Sonnabends ist nur für Kindergeburtstage geöffnet. Eintritt: 4,50 (Kinder und Erwachsene), 15 Euro Familienkarte, 12 Euro ermäßigte Familienkarte, 3,50 Kleinkinder unter 3 Jahren
www.kindermuseum-hamburg.de
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