Vier Wochen raus aus dem radioaktiven Alltag

Freizeitvergnügen am Strand von St. Peter-Ording: Für die Kinder ist die radioaktiv verseuchte Heimat mit ihren Problemen ganz weit weg. (Foto: pr)

Im Sommer kommen 30 Kinder aus Tschernobyl zur Erholung – Ehrenamtliche für die Betreuung gesucht

Gross Flottbek – Am 26. April 1986 explodierte Block 4 im Kernkraftwerk Tschernobyl. Das Gebiet rund um Tschernobyl wurde verseucht. Das war vor 30 Jahren. Doch an den Folgen leidet die Bevölkerung immer noch, besonders die Kinder. Deshalb werden auch in diesem Sommer wieder Kinder aus dieser Gegend ins Landschulheim Wittenbergen kommen, um sich vier Wochen lang zu erholen. Mitglieder der Melanchthon- und der Bahrenfelder Lutherkirchengemeinde haben sie eingeladen. Nun fehlen nur noch Ehrenamtliche, die die Kinder betreuen.
„Besonders die Kinder leiden unter den Spätfolgen des Reaktorunfalls“, weiß Einhard Kossatz. Das Mitglied der Tschernobylgruppe in der Melanchthongemeinde fährt fort: „Zwar hat die radioaktive Belastung mittlerweile nachgelassen. Aber noch immer sind viele Gebiete und Dörfer radioaktiv verseucht. Viele Menschen sammeln in den Wäldern Pilze und Beeren, die sind natürlich besonders belastet. Dazu kommt, dass nicht alle Lebensmittel wie Getreide, Milch oder Fleisch geprüft werden, ob sie die zulässigen Grenzwerte überschreiten. So nehmen viele Menschen über die Nahrung bis heute eine gewisse Dosis Radioaktivität in sich auf.“
Kinder sind von den Folgen des Unglücks besonders betroffen. „Herz- und Kreislauferkrankungen, ein geschwächtes Immunsystem und Augenerkrankungen machen den Kindern das Leben schwer.“ Deshalb lädt die Kirchemgemeinde in diesem Jahr 30 Kinder im
Alter zwischen acht und 14 Jahren mit ihren fünf Betreuern hierher in die Freiluftschule Wittenbergen ein. „Der Aufenthalt gibt ihnen die Möglichkeit, sich von der Strahlenbelastung zu erholen“, so Kossatz. Täglich frisches Obst, kostenlose medizinische Behandlungen von ehrenamtlich tätigen Ärzten und viel Zeit zum Spielen und Toben soll die Jungen und Mädchen wieder zu Kräften kommen lassen. „Die körpereigenen Abwehrkräfte werden gestärkt, und die Zeit dient auch einer spürbaren seelischen Entlasung.“
Der Aufenthalt der Kinder wird von Sponsoren finanziell unterstützt. Für die Betreuung der jugen Besucher werden noch Ehrenamtliche gesucht. Nähere Infos gibt es bei der Gedenkveranstaltung.

Gedenkveranstaltung
30 Jahre Tschernobyl
Vortrag, Musik und Gespräch mit Irina Gruschewaja (Minsk) und Pianist Leon Gurvitch (Flügel)
Sonntag, 24. April, 17 Uhr
Gemeindehaus, Lutherhöhe 22
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