Röntgenlaser-Bau ohne Lärm?

100-prozentig gerade ließen sich die Bodenplatten offenbar nicht verlegen. Nun kippeln sie, wenn Baufahrzeuge drüber fahren. Foto: European XFEL
Hamburg: Röntgenlaser-Bau |

Nach Anwohnerbeschwerden sucht das Mega-Projekt nach einer Lösung

von Jan Paulo

Das Röntgenlaserprojekt XFEL steht nicht nur für wissenschaftlichen Fortschritt. Viele Anwohner verbinden mit dem internationalen Forschungsvorhaben auch Lärmbelästigung über dem künftigen Lasertunnel. An diesem wird seit Jahren gebaut, er soll von Bahrenfeld nach Schenefeld führen.
„Der Lärm begann bei uns im April letzten Jahres mit den Bohrgeräuschen, 24 Stunden am Tag“, berichtet Rolf Hartung, der am Grubenstieg wohnt. „Dann donnerte rund um die Uhr eine Diesellok durch den Tunnel, auch am Wochenende.“ Zuletzt wurden die Bodenplatten verlegt, und die Fahrten von schweren Baufahrzeuge waren als Klappern bis in die Wohnungen zu hören. „Im letzten Jahr hatten wir nur zu Ostern einen Tag Ruhe“, so Hartung.
Mittlerweile hat sich der Bauherr DESY/European XFEL in einem Schreiben an alle Anwohner im Umfeld der Baustelle entschuldigt und Besserung gelobt. In dem Brief wird auch erklärt, warum nach den Bohrarbeiten und dem Rückbau der Tunnelbohrmaschine immer noch keine Ruhe eingekehrt war.
Es habe sich herausgestellt, dass ein Teil der verlegten Bodenplatten „minimal kippelt“, was, über das Grundwasser nach oben geleitet, zu wahrnehmbaren Fahrgeräuschen führe. „Die Bodenverlegung ist inzwischen abgeschlossen und die Baufirmen sind raus, aber auch zur Installation der Technik müssen ja noch Fahrzeuge durch den Tunnel.“, erklärt Petra Folkerts, European XFEL-Sprecherin. „Darum arbeitet unsere Fachgruppe nun intensiv an einer Möglichkeit, die Fahrgeräusche zu unterbinden.“ Darüber, wann mit einer Lösung zu rechnen ist, möchte sie allerdings keine Einschätzung abgeben.
Die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Anne Krischok ist skeptisch und erinnert daran, dass es solche Ankündigungen schon in der Vergangenheit gab: „Noch im Planfeststellungsbeschluss hieß es, dass Lärm und Schwingungsemissionen nicht zu erwarten seien. Ich hoffe, dass die Prognosen wenigstens dieses Mal eintreten.“ Anwohner Rolf Hartung ergänzt: „Seit Anfang Februar ist es tatsächlich ruhig geblieben.“ Dass es dabei bleibt, kann auch er noch nicht glauben.

Das sagt die Aufsichtsbehörde
Für den Bau des Röntgenlaser-Tunnels ist das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover zuständig. „Wir haben immer, wenn es zu Beschwerden kam, gemeinsam mit den Verantwortlichen nach Lösungen gesucht“, sagt LBEG-Sprecher Andreas Beuge. Auch die ersten Versuche von DESY mit unterschiedlichen Dämpf-Materialien für die Bodenplatten seien positiv verlaufen. Sicherheitsbedenken gibt es nicht, so das LBEG: mit bis zu 0,3 Millimetern zwischen Platten und Auflage sei der Abstand sehr gering. PA
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