Osdorf: Hier beten Muslime im Bürgerhaus

Kadir Katran (33) engagiert sich ehrenamtlich für den wöchentlichen Gebetsnachmittag im Osdorfer Born. (Foto: cvs)
Hamburg: Bürgerhaus Bornheide |

Rechtsanwalt Kadir Katran (33) setzte sich erfolgreich für ein Freitagsgebet im Stadtteil ein

Ch. v. Savigny, Osdorfer Born

Im Großen Saal des Bürgerhauses im Osdorfer Born haben Helfer so viele Gebetsteppiche ausgebreitet, dass praktisch der gesamte Fußboden damit bedeckt ist. Nach und nach strömen immer mehr Besucher durch die offenen Türen hinein, ziehen ihre Schuhe aus und nehmen auf der weichen Unterlage Platz. Durchschnittlich 120 muslimische Gläubige nutzen das wöchentliche Gottesdienst-Angebot im Bürgerhaus. Ein gutes Ergebnis, findet Kadir Katran (33), Rechtsanwalt und Initiator des ersten Freitagsgebets im Born. „Weder in Osdorf noch in Lurup gab es bislang diese Möglichkeit“, sagt er und schüttelt immer noch etwas ungläubig den Kopf. „Das verwundert doch, oder?“
Katran ist selbst ein Kind des Stadtteils. Hier ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen, an der Geschwister-Scholl-Schule hat er sein Abitur abgelegt. Als Beiratsmitglied des Bürgerhauses kennt er viele seiner Nachbarn und weiß um ihre Sorgen und Nöte. „Das Freitagsgebet ist der wichtigste Gottesdienst der Muslime“, sagt er. Viele seien bisher auf Veranstaltungen in anderen Stadtteilen ausgewichen – oder hätten ganz verzichtet. „Meine Mutter lebt seit 40 Jahren hier“, berichtet Katran weiter. „Letztes Jahr konnte sie zum allerersten Mal ein Freitagsgebet besuchen. Für sie war das etwas ganz Besonderes.“

Die Predigt wird auf Deutsch gehalten

Seit März 2015 läuft die Veranstaltung im Bürgerhaus, die hamburgweit als Vorzeigeprojekt gilt: So wird die Predigt auf Deutsch abgehalten, um Muslime möglichst vieler Nationalitäten anzusprechen. Etwa 15 verschiedene Staatsangehörigkeiten zählt der Veranstalter Woche für Woche – darunter Türken, Afghanen, Iraker und Westafrikaner. Zwei junge Imame, selbst noch Studenten, wechseln sich mit der Gottesdienstleitung ab. Die Vorhänge an den Fenstern bleiben offen, damit jeder mitkriegt, was dahinter vor sich geht.

Vor allem junge Leute ansprechen

Noch eine Besonderheit: Mindestens 50 Prozent der Besucher sind Frauen und Jugendliche. Kadir Katran: „Wir wollen speziell junge Leute ansprechen, um ihnen eine Alternative zu bieten zu den einfachen Messages, die sie im Internet bekommen.“
Besucher Lasse (20) trägt einen skandinavischen Vornamen, hat aber seine Wurzeln halb in Deutschland, halb in Guinea: „Es geht persönlicher und familiärer zu als in anderen Moscheen“, sagt er. „Deshalb komme ich gerne hierher.“
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