Ohrfeige im Namen der Ehre?

Der Angeklagte Ilan Da. wurde während der Zeugenaussage seiner Nichte vor die Tür des Gerichtssaales geschickt. Foto: ww
Hamburg: Osdorfer Born |

Rangelei vorm Jugendamt im Osdorfer Born: Freispruch

von Wolfgang Westphal
Hat er im Namen der Ehre geohrfeigt? Das zumindest warf die Staatsanwaltschaft dem türkischstämmigen Kaufmann Ilhan Da. vor. Er soll am 1. November vergangenen Jahres in der Eingangshalle des Jugendamtes Achtern Born 135 aus falschem Ehrverständnis und in Anmaßung einer Vaterrolle dem Freund seiner Nichte eine schmerzhafte Ohrfeige versetzt haben. Der junge Mann hatte trotz vorheriger Warnungen den Kontakt mit dem Mädchen nicht abgebrochen hatte, so Da.s Vermutung.
Das Amtsgericht Blankenese gab sich viel Mühe, den Tathergang zu klären. Es hörte sich ausgiebig verschiedene Zeugenaussagen an. Die 17-jährige Schülerin D. hatte wegen Schwierigkeiten mit ihrer Mutter eine zeitlang bei der Familie des Angeklagten gewohnt. Mehrfach besuchte sie dort auch ihr Freund Alexander Sch.. Dann waren laut Angeklagtem angeblich eine Uhr und 500 Euro gestohlen worden.
Diese Uhr will Ilan Da. bei dem Zusammentreffen im Jugendamt am Handgelenk von Alexander Sch. gesehen haben. Seiner Aussage nach kam es zu einem Gerangel, weil der Angeklagte die Uhr habe genau sehen wollen.
Alexander S. bestreitet den Diebstahl: Er trage keine Uhren. Er habe von Ilan Da. eine schmerzhafte Ohrfeige bekommen, sei von diesem übel beschimpft worden und ihm sei jeder weitere Umgang mit D. verboten worden.
Zeugen gibt es nicht, es steht Aussage gegen Aussage. So forderte die Staatsanwältin Freispruch für den Angeklagten, der Richter folgte diesem Plädoyer.
Zu denken gab in dem Prozess, dass D. Angst hatte, ihrem Onkel zu begegnen. Dieser musste während ihrer Zeugenvernehmung den Gerichtsaal verlassen. Der Angeklagte, so das junge Mädchen, sei ihr schon vorher einmal an die Kehle gegangen. Er habe sie in dem Lokal, wo sie arbeitete, aufgesucht und sie vor ihrem Chef als „Schlampe und Hure“ beschimpft. So blieb der Verdacht, dass der vor Gericht eloquent und ausgeglichen auftretende Angeklagte Ilhan Da. vielleicht doch einen erheblichen Hang zu impulsiven, unkontrollierten Wutausbrüchen und Gewalttätigkeit hat. Das Gericht ging diesem Vorfall in dem Lokal nicht nach.
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