„Dschihad ist nicht Heiliger Krieg“

Nicht gleich verurteilen: Daud Ata setzt auf den Dialog mit Jugendlichen, die extremistische Gedanken haben.

Daud Ata will junge Menschen vor dem Abgleiten in den
Radikalismus bewahren – das Interview im Wochenblatt

Sympathisanten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind auch am Osdorfer Born präsent. Junge Muslime gehen einen Pakt mit den Extremisten ein, die Gewalt, Folter und Ermordung mit dem Islam rechtfertigen. Daud Ata ist auch Muslim. Er gehört zu der Vielzahl seiner Glaubensbrüder, die Terror ablehnen. Erst recht im Namen eines Gottes.



• Herr Ata, Sie haben bereits mit Jugendlichen mit extremistischen Gedanken gesprochen. Wie begegnen Sie ihnen?
Es ist wichtig, mit ihnen in einen Dialog zu treten. Und zwar aus der Fürsorge heraus. Oft wird ihnen nur Ablehnung entgegengebracht. Meist fühlen sich diese Menschen aber schon abgehängt, perspektivlos und ausgegrenzt. Sie suchen einen Ausweg aus ihrer persönlich empfundenen sozialen Ungerechtigkeit. Sie in ihrer Frustration und ihrem Gefühl der Zurückweisung noch zu befeuern, schürt nur das Extreme.

• Was raten Sie?
Im Gespräch mit den Jugendlichen habe ich ihnen mit Argumenten aus dem islamischen Glauben die Grundlage für extreme Gedanken entzogen. Dafür gibt es sehr viele Quellen. Der Dschihad zum Beispiel hat nichts mit einem Heiligen Krieg zu tun. Viel mehr geht es beim großen Dschihad um das eigene Ego, gegen das man kämpfen soll.

• Wenn das so einfach wäre ...
Ich sage nicht, dass es einfach ist. Aber ein innerislamischer Diskurs ist der einzige Weg, um diese jungen Muslime zu erreichen. Viele sind gar nicht so engstirnig, wie allgemein gedacht wird. Sie lassen sich auf einen Austausch zu religiösem Verständnis und Demokratie ein. Viele entscheiden sich dann für die Vernunft.

• Das ist Arbeit für die, die sich mit dem Islam auskennen. Was können Andere tun?
Wir brauchen einen Schulterschluss aller Vernünftigen. Konkret könnte ich mir eine Friedenskonferenz am Osdorfer Born vorstellen. Etwa im Frühjahr, draußen, an exponierter Stelle. Alle Menschen, die Extremismus nicht haben wollen, kommen zusammen. Wichtig ist, dass alle miteinander sprechen. Über ihre Sorgen Ängste oder auch Vorbehalte, die sie beschäftigen.

• Was soll das bringen?
Es setzt einen positiven Impuls und den benötigen wir dringend. Es baut Vorurteile und Unsicherheiten ab und macht deutlich, dass alle Religionsstifter Frieden wollten und gelehrt haben.

Daud Ata
Der 34-Jährige ist in Deutschland geboren und am Osdorfer Born aufgewachsen. Seine Eltern kommen aus Pakistan. Ata hat Medientechnik studiert und nun sein eigenes IT-Sys-
temhaus. Er ist verheirat und hat drei Kinder.
Als Student startete Ata am Osdorfer Born das kostenfreie Nachhilfeprojekt „Bildung gegen Kriminalität“. Seit einiger Zeit sucht er den Dialog mit jungen Menschen, die mit dem Islamischen Staat (IS) sympathisieren.
Ata gehört der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde an, die als reformorientiert gilt und als erste muslimische Glaubensgemeinde mit den großen Kirchen gleichgestellt ist.
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