Außenaltar für St. Simeon in Osdorf

Der neue Außenaltar im Garten von St. Simeon in Osdorf
 
Pastorin Astrid Kleist vor der neuen Gedenkstätte
Gleich drei Orte konnten am 26. August im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes in St. Simeon im Beisein von Propst Dr. Horst Gorski eingeweiht werden.
Nach mehr als einjähriger Planungsphase hat der Altarstein der entwidmeten St. Stephanuskirche in Eimsbüttel einen neuen Platz im Garten der St. Simeonkirche gefunden. Pastorin Astrid Kleist berichtete in der voll besetzten Kirche, wie der große Altarstein von Eimsbüttel seinen Weg nach Osdorf gefunden hat und dankte allen Spendern, die diesen „Umzug“ bis hin zur Überwindung der Gartenmauer mitfinanziert haben.
Jürgen Schmücker von der St. Stephanusgemeinde in Eimsbüttel überbrachte ein Grußwort seiner Gemeinde, die nach der Fusion mehrerer Kirchengemeinden ihr liebgewordenes Gotteshaus als solches aufgeben musste und umso dankbarer und auch froh ist, dass wenigstens der Altar eine neue Bleibe gefunden hat.
Neben dem Außenaltar ist die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus neu gestaltet worden. Kleist würdigte diese Gedenkstelle als sinnreiche Ergänzung zum Ehrenmal an der Osdorfer Landstraße; allerdings wird jährlich am Volkstrauertag auch hier nicht nur der Gefallenen der beiden Weltkriege, sondern auch der Opfer von Gewalttaten und Diktaturen jeglicher Couleur sowie auch der Soldaten, die heutzutage in den Krieg ziehen müssen, gedacht. Pastor Ulrich Hentschel (Studienleiter für Erinnerungskultur der Ev. Akademie der Nordkirche) äußerte sich anerkennend über die Einrichtung der Gedenkstätte. Viele Menschen und leider auch Gemeinden würden sich diesem Thema leider verschließen; dabei es sei wichtig, dass die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten nicht vergessen werde.
Der dritte einzuweihende Ort war leider noch nicht ganz fertig gestellt; im Kirchgarten wird eine Oase der Ruhe mit Bänken entstehen, die der Rekreation dienen möge, aber auch als Ort der Andacht und Versammlung genutzt werden kann.
Kleist lud die Gemeinde zu einer Prozession durch den Garten zu den neuen Stätten ein; mit Gesang zogen die Gottesdienstbesucher durch das Gemeindehaus hinaus und versammelten sich vor dem neuen Außenalter.
Himmel, Erde, Luft und Meer
zeugen von des Schöpfers Ehr;
meine Seele, singe du,
bring auch jetzt dein Lob herzu.

Seht das große Sonnenlicht,
wie es durch die Wolken bricht;
……..
Gerade als Propst Gorski seine kleine Ansprache begann, brach die Sonne zwischen den Wolken hervor. Gorski: „Ich sehe hier keine Baumkrone, unter der wir uns an diesem Ort versammeln können, wie es in meiner Einladung steht, aber wir stehen hier unter dem schützenden Himmelszelt auf einer Erde, die es ebenfalls zu schützen gilt.“
Nach seiner Ansprache weihte Gorski den Außenaltar und sprach die Hoffnung aus, dass hier viele Gottesdienste, vielleicht sogar Taufen und Trauungen stattfinden mögen. Anschließend weihten Pastorinnen Beatrix Zoske und Astrid Kleist die Gedenkstätte, indem sie dort ein Licht entzündeten.
Wenn dann auch noch die Bänke im Garten aufgestellt sind, wird hier ein Kleinod entstanden sein, das hoffentlich gut von der Gemeinde angenommen und genutzt wird.
Im Anschluss an die Feier konnten interessierte Besucher ein außergewöhnliches Konzert in der Kirche miterleben. Es wurden die „Moabiter Sonette“ (Text: Albrecht Haushofer; Musik: Hans-Ulrich Brandt) zu Gehör gebracht. Der Widerstandskämpfer Albrecht Haushofer (1903-1945) schrieb in den letzten Monaten seiner Inhaftierung in Moabit Gedichte, die später unter dem Titel „Moabiter Sonette“ veröffentlicht wurden. Der Musiker Hans-Ulrich Brandt war von den Texten so berührt, dass er sie vertonte. Er spannt mit seiner Musik einen weiten Bogen von der klassischen Musik bis hin zur Moderne.
Violine, Klavier, Percussion und Bass-Klarinette bzw. Bariton-Saxophon begleiteten den Sprecher und Sänger Patrick Simper, der die teilweise unter die Haut gehenden Texte vortrug. Einziger Wermutstropfen dieses ansonsten außergewöhnlichen Konzerts war, dass die Texte nicht immer gut zu verstehen waren.
Der Nachmittag und Abend klangen im Gemeindehaus aus, wo man noch in anregender Runde zusammen war; viele Besucher kauften sich am Büchertisch die „Moabiter Sonette“, Gedichte, die man sicher oft zur Hand nehmen und lesen wird.
Dr. Christiane Borschel
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