Nach zwei Tagen war die Beute verprasst

Das Foto zeigt den den Harburger Sand im Jahre 1980. McDonald’s wurde dort 1976 eröffnet, heute ist dort das Bolero. Im Erdgeschoss war seinerzeit der Schallplattenladen TV Sonnenberg zu sehen, der schon lange nicht mehr existiert . Foto: Norbert Schacht
Hamburg: Sand |

Überfall im März 1979 auf die Haspa-Filiale am Sand .

Von Waldemar Düse. Die Anweisung ist exakt und der Bankangestellte wird wissen, was er zu tun hat: „Der Kassenbeleg bleibt bei der Bank. Auszahlungstag 14.3.79“, steht da auf dem Zettel, den der schmächtige Mann dem Kassierer der Kasse drei der Haspa-Filiale am Sand zugeschoben hat. Geduldig hat er zuvor in der Schlange gewartet, bis er an der Reihe ist.
Was sich wie eine Anweisung für einen Auszubilden liest, ist jedoch nur das Ende einer wahren Kurzgeschichte. Und der schmächtige Mann im Fischgräten-Mantel ist auch kein normaler Kunde. „Kein Alarm, sonst Lebensgefahr! Überfall mit Splittergranate. Bei Widerstand oder Verfolgung Todesgefahr. Sofort unauffällig und ruhig etwa 10.000 Mark auszahlen! Denken Sie bitte an das Leben von ungeschützten Kollegen und Mitmenschen.“ Unterschrieben ist das Ganze mit „Der Todeskandidat.“
Ob aus Verblüffung oder Angst sei einmal dahin gestellt – der Kassierer beginnt auszuzahlen. Bei 5.850 Mark sagt der mit Hornbrille und dunklem Hut getarnte Mann nur kurz und bündig „Genug“ und verschwindet mit seiner Beute und einem Gegenstand in der Hand, der in der kleinen Komödie wohl die Splittergranate gespielt hat.
Der „Todeskandidat“ braucht nur zwei Tage, um seine Beute auf St. Pauli und St. Georg unter die „Freudenmädchen“ zu bringen. Dann steht Karl-Heinz G. empört in einer Polizeiwache und will Anzeige erstatten. Eine Dame seines Herzens habe ihn um 4.000 Mark abgezockt. Der die Anzeige aufnehmende Polizist muss ihn wohl so ungläubig angeschaut haben wie seinerzeit der Kassierer. G. ist arbeitslos und sieht etwas „abgerissen“ aus. Zum Beweis und um seiner Empörung Nachdruck zu verleihen, zieht er einen 500-Mark-Schein aus der Tasche.
Die Seriennummer eines Geldscheines hilft der Polizei
Das wiederum macht den Polizisten nachvollziehbar miss-trauisch. Er lässt sich den Schein geben und findet dessen Seriennummer in der Liste der re-
gistrierten Scheine aus der Beute. Das Landgericht Hamburg gibt Karl-Heinz G. drei Jahre Zeit zum Lernen. Zu einem erfolgreichen Bankraub gehört eben nicht nur das geschliffene Wort davor, sondern auch das unauffällige Leben danach.

Die Krimiserie

In loser Folge stellt das Wochenblatt zum Wochenende die spannendsten Kriminalfälle aus Hamburg vor. In der heutigen Ausgabe geht es um einen Banküberfall aus den Siebzigerjahren
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.