Erfolgreicher Protest gegen den „Zaun der Ausgrenzung“

Erfolgreicher Protest: Der Obdachlose Jens Pawel (44) hatte erklärt, er wolle so lange vor dem Gitter an der Kersten-Miles-Brücke übernachten, bis der Zaun wieder entfernt wird. Am Freitagnachmittag gab das Bezirksamt Mitte dem öffentlichen Druck nach: Der Zaun wurde entfernt. Diese Bedingung hatten Sozialverbände für Gespräche am Runden Tisch gestellt. Foto: rs
Hamburg: St. Pauli |

Kersten-Miles-Brücke: Bezirksamtsleiter Markus Schreiber ließ die 18.000 Euro
teure Barriere gegen Obdachlose entfernen

von Reinhard Schwarz
Der Zaun an der Kersten-Miles-Brücke ist weg. Zu groß war der öffentliche Druck auf Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) geworden, diese Barriere gegen Obdachlose zu beseitigen. Mit dem Entfernen des Zaunes, so Markus Schreiber, wurden „von Seiten des Bezirks die bestmöglichen Startbedingungen für den in der nächsten Woche beginnenden Runden Tisch geschaffen“. Und: Damit könne man "gemeinsam die besseren Alternativen entwickeln“.
Vor rund zwei Wochen ließ das Bezirksamt den Bereich unter der Brücke, der seit Jahren von Obdachlosen zur Übernachtung genutzt wird, mit einem Gitterzaun sperren. Ein Sturm der Entrüstung brach los.
Alle Oppositionsparteien sowie Sozialverbände verurteilten das Vorgehen des Bezirksamtsleiters: Der 18.000 Euro teure Zaun sei ein „Symbol der Ausgrenzung“ von Menschen ohne Obdach.
Schließlich schlug die SPD-Bürgerschaftsfraktion vor, einen Runden Tisch zu bilden. Der ehemalige Altonaer Bezirksamtsleiter Hans-Peter Strenge (SPD) solle vermitteln. Strenge steht der evangelisch-lutherischen Kirche Norddeutschlands als Synodalpräsident vor. Sozialverbände hatten allerdings vor Beginn der Gespräche als Bedingung gefordert, Markus Schreiber möge den Gitterzaun vorher abbauen lassen. Die Bedingung wurde jetzt erfüllt.
„Wir begrüßen das, zumal das unsere Forderung war vor Beginn von Gesprächen“ erklärte Stephan Karrenbauer, Sprecher der Obdachlosenzeitung Hinz & Kunzt. „Jetzt können wir uns zusammensetzen, um eine konstruktive Lösung zu finden.“
Schreiber selbst betont: „Es darf kein Zurück zu den Zuständen geben, wie sie im letzten Jahr dort zu finden waren.“ Im Übrigen kann es nicht Ziel sein, zu fordern, dass Menschen unter Brücken schlafen dürfen. Vielmehr solle darauf hingewirkt werden, bestehende Hilfsangebote auch anzunehmen.“
Dem stimmt auch Hinz & Kunzt-Sprecher Karrenbauer zu: „Die bestehenden Hilfsangebote müssen so ausgebaut werden, dass jeder Obdachlose einen Schlafplatz findet und perspektivisch eine Wohnung erhalten kann.“ Zudem müsse auch eine Lösung für die obdachlosen Wanderarbeiter und Tagelöhner aus Osteuropa gefunden werden. Die müssen nach spätesten drei Tagen die Unterkunft Pik As wieder verlassen.
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