Drei Preisträger beim 4. Harburger Nachhaltigkeitspreis und lauter Blaukappen

1. Preisträger: ContraZt e.V. - V.l.n.r.: Bürgermeister Thomas Völsch, Dr. Ali Yardin, Mohammed Hacisa, André Jobst (Foto Gisela Baudy)
 
2. Preisträger: Kinderstadt Kita Hafencampus. - V.l.n.r.: Thomas Völsch, Preisträgerin Maria Lena Tucholski, Robert Timmann (Foto Gisela Baudy)
 
3. Preisträger: die Hamburger Regionalgruppe Cradle to Cradle – Wiege zur Wiege e.V. - V.l.n.r.: Thomas Völsch, Markus Marienfeld, Lukas Haack, Robert Timmann (Foto Gisela Baudy)
Hamburg: Harburger Rathausplatz |

Am 25. November 2016 hat die Bezirksversammlung Harburg zum vierten Mal den Harburger Nachhaltigkeitspreis im Harburger Rathaus verliehen. Der Preis in Höhe von 2.000 Euro ging an drei Preisträger, die ihre Projekte im Bezirk Harburg erfolgreich praktizieren. Drei weitere Bewerber von insgesamt 17 Bewerbern fanden eine Anerkennung mit besonderer Erwähnung. Zur musikalischen Begleitung mit dabei: die Aqua-Agenten der Schule Scheeßeler Kehre mit ihren Lehrerinnen Jutta Steinberg und Yvonne Stein.

Der Große Saal im Harburger Rathaus konnte die weit über 100 Gäste kaum fassen und selbst die Notplätze wurden rar, als Moderator Jürgen Marek die Veranstaltung zur Preisverleihung mit den Worten eröffnete: "Der Preis und die Lokale Agenda 21 sind ein Alleinstellungsmerkmal des Bezirks Harburg. Denn es gibt keinen Bezirk, der diese Aktivitäten in dieser Weise fördert." Die eingereichten Projekte selbst seien Vorbild für unser eigenes Handeln. Der Nachhaltigkeitspreis wolle nicht nur die Preisträgerinnen und Preisträger, sondern alle Bewerberinnen und Bewerber der Öffentlichkeit vorstellen und sie würdigen. Darüber hinaus möchte der Preis zur gegenseitigen Vernetzung anregen.

Als nächstes übernahm Bezirksamtsleiter und Hausherr Thomas Völsch das Wort. "Ich freue mich über so viele Gäste, die bereit sind, aktiv etwas zu tun und sich auszutauschen." Dann zitierte er Mark Twain: "Natürlich interessiere ich mich für die Zukunft. Ich will den Rest meines Lebens darin verbringen." Sätze wie diese sollten alle motivieren, über die Zukunft und über das, was in der Welt passiere, nachzudenken. Denn so Völsch: Rohstoffe wie Kohle und Rohöl, die wir tagtäglich verbrauchen, sind endlich. Aber wir sind dem nicht hilflos ausgeliefert. Wir können kluge Ideen entwickeln und mit unseren Ressourcen nachhaltig umgehen. Völsch verwies stolz auf den Fuhrpark im Bezirk Harburg mit der Vielzahl an Elektroautos.

"Zur Nachhaltigkeit gehört auch Gerechtigkeit", betonte Völsch gerade auch in Hinsicht auf den Ballungsraum Hamburg. "Denn Nachhaltigkeit ohne Gerechtigkeit wird auf Dauer nicht funktionieren." Dazu gehöre ein auskömmlicher Brotwerb, gute Bildung und ein vernünftiges bezahlbares Wohnen. Um die nachhaltigen Dimensionen Umwelt, Ökologie und soziale Gerechtigkeit habe sich der Bezirk Harburg mit der Einrichtung der Lokalen Agenda 21 im Jahr 1996 schon früh gekümmert.

Kaum hatte Völsch seine Rede beendet, entstand Bewegung im Saal. Über 20 zehnjährige Blaukappen bahnten sich mit Musiklehrerin Jutta Steinberg einen Weg nach vorne: die Aqua-Agenten der Klasse 4b der Schule Scheeßeler Kehre. Lehrerin Yvonne Stein blieb im Hintergrund und dirgierte von hinten.

Die Großen im Publikum staunten nicht schlecht, was die Kleinen per Gesang und Sketch über die Verschmutzung der Meere durch Müll und Plastik anzuprangern hatten. Und sie machten klar, dass die Umweltverschmutzung uns alle angeht und Handeln angesagt ist. "Wir holen viele Leute, damit es alle seh'n. / Wir lassen das nicht länger zu. Es muss etwas gescheh'n", hieß es da zum Beispiel im "Entschuldigungslied für Friedrich, den Fisch" von Rolf Krenzer. Aber auch das Träumen von einer besseren Welt sollte niemals aufhören. Nach dem Lied "Bitte hör nicht auf zu träumen" von Xavier Naidoo gab es tosenden Applaus.

"In diesem Jahr fällt auf, dass der soziale Bereich, der auch zur Nachhaltigkeit gehört, stärker als sonst vertreten ist", begann Dr. Chris Baudy, Bildungspartner für Nachhaltigkeit, seine Powerpoint-Präsentation, in der er die besonderen Leistungen aller Bewerberinnen und Bewerber vorstellte. Das Thema Bildung lag dabei an erster Stelle, was laut Baudy nicht verwunderte. "Vom Kopf geht es über das Herz in die Hand - das ist das Prínzip von nachhaltiger Entwicklung", so der Referent.

Die Themenbreite der präsentierten Projekte war sehr groß. Denn die insgesamt 17 Projekte kommen aus den Bereichen Bildung und Forschung (9), zivilgesellschaftliches Engagement (5), Wirtschaft und Handwerk (2) sowie Verwaltung (1).

Endlich war es soweit. Robert Timmann, der stellvertretende Vorsitzende der Bezirksversammlung, stellte den Nachhaltigkeitspreis und die siebenköpfige Jury vor: Angelika Grözinger, langjährige Präsidentin des Deutschen Hausfrauenbundes (DHB) und Trägerin des Bundesverdienst-Kreuzes 2016, Grudrun Wolters-Vogeler, Schulleiterin der Grundschule An der Haake und Mitglied der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung, Rolf Buhs, Mitbegründer der Lokalen der Lokalen Agenda 21 für den Raum Harburg und ehemaliger Vorsitzender des Stadtplanungs-Ausschusses in Harburg (beide nicht im Bild), Bernhard Hellriegel, ehemaliger Bezirksamtsleiter in Harburg und Gründer der Lokalen Agenda 21 für den Raum Harburg, Jörg Penner, Dezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt, Frank Wiesner, Mitbegründer der Lokalen der Lokalen Agenda 21 für den Raum Harburg und Vorsitzender des Fördervereins HARBURG21 e.V., Robert Timmann: stellvertretemder Vorsitzender der Bezirksversammlung und der Jury.

Die Spannung stieg. Denn Völsch und Timmann überreichten die Preise.

Der erste Preis in Höhe von 1.000 Euro ging an den Verein ContraZt e.V. mit seinem Projekt „Umsonstladen und Mehr Wert Kultur“, das ein kultur- und generationen-übergreifendes Stadtteilprojekt zur kostenlosen Weitergabe von Medien und Gebrauchsgegenständen darstellt. Der Verein verpflichtet sich der kulturellen und sozialen Förderung und finanziert sich durch Spenden. Im Umsonstladen und im Laden Mehr Wert Kultur können Bürger nicht mehr benötigte Gegenstände (u.a. Kleidung, Elektrogeräte, Bücher) spenden und dafür andere Sachen mitnehmen. Durch die Mehrfachnutzung von Konsumgütern werden effektiv Ressourcen geschont. Das Projekt trägt zur nachhaltigen Entwicklung im Bezirk bei und berücksichtigt im besonderen Maße die Komponenten Soziales und Ökonomie.

Den zweiten Preis in Höhe von 600 Euro konnte die Kinderstadt Kita Hafencampus vom Träger Kinderstadt Kitas GmbH für das Projekt Grundelement Wasser" entgegennehmen, in dem Krippen- und Elementarkinder sich die Welt des Wassers erobern. Kinder mit unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsständen werden durch vielfältige Methoden an das Grundelement Wasser herangeführt und erlangen ein Bewusstsein für Gewässerschutz und Wasserschonung. Das Projekt zeichnet sich besonders durch die enge Verknüpfung der Nachhaltigkeitsdimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales aus.

Über den dritten Preis in Höhe von 400 Euro konnte sich die Hamburger Regionalgruppe Cradle to Cradle – Wiege zur Wiege e.V. für ihr Projekt "C2C Starterseminar" freuen. Es handelt sich hier um einen kostenlosen Workshop für Studierende der TUHH und Interessierte. Vermittelt wird die Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) Denkweise mit dem Ziel, Bewusstsein für kreislauffähige, umweltfreundliche Produkte und Produktionsprozesse zu schaffen. Das Projekt transportiert im besonderen Maße den Nachhaltigkeitsgedanken.

Mit einer besonderen Anerkennung würdigten Völsch und Timmann drei Projekte: Zum einen war dies "fairKauf hamburg / Upcycling – ökologisch, ökonomisch, sozial und kreativ" des Vereins IN VIA Hamburg e.V., das Integration und Umweltschutz unter einem Dach vereint. fairKauf ist das Harburger Sozialkaufhaus für Geringverdiener und ein Training-Terrain für Langzeitarbeitslos. Das zweite Projekt war das vom Büro WasserLand fachlich betreute Gewässerschutzprojekt "Lebendige Engelbek (LE) und Seevekanal 2021 (SE)", das mit Harburger Schulen und Anliegern umgesetzt wird. Ziel ist, den wertschätzenden Umgang mit Gewässern verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu heben. Die dritte Anerkennung mit besonderer Erwähnung ging an das Zentrum für Energie, Wasser und Umwelttechnik (ZEWU) der Handwerkskammer Hamburg. Als wichtiger Hamburger Umweltakteur wird das ZEWU 2017 eine Qualifizierungsmaßnahme für geflüchtete Menschen im Bereich Erneuerbare Energien durchführen. Dabei lernen die Teilnehmenden umwelttechnisches Know-How und erhalten zudem sprachliche Förderung bis zur Mittelstufe "Deutsch für den Beruf".

Der Abend endete mit der Überreichung von elf weiteren Anerkennungsurkunden für die restlichen Bewerber und mit anregenden Gesprächen in lockerer Runde. Dabei konnten sich alle Besucherinnen und Besucher mit dem nachhaltigen Mineralwasser Viva von Agua und mit leckeren vegetarischen Snacks der Elbewerkstätten Harburg erfrischen. Zur Krönung des Abends gab es wie in den Vorjahren für alle Beteiligten eine fair gehandelte Rose.

Kooperationspartner der Veranstaltung war wie in den letzten beiden Jahren die Initiative HARBURG21, welche die Lokale Agenda 21 und das NachhaltigkeitsNetzwerk im Raum Harburg darstellt.

Text und Fotos: Chris Baudy / Gisela Baudy

Links:
> Übersicht über alle Bewerberinnen und Bewerber 2016
> Plakatausstellung zur Preisverleihung (bis 31.12.16)
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