Zwangspause im Köhlfleet

Sie warten auf Tauwetter: Die Binnenschiffer Roman Klatt (l.), Jan und Maria Boll. (Foto: Annekatrin Buruck)

Von Eis umgeben: Binnenschiffer warten in Finkenwerder auf Tauwetter

von Annekatrin Buruck, Finkenwerder
Seit Ende Januar geht gar nichts mehr: Roman Klatt und das Ehepaar Jan und Maria Boll sitzen mit ihren Binnenschiffen im Köhlfleet vor Finkenwerder im Eis fest. In ihrem Schiff „Fighter“ haben die Bolls Zellulose geladen, die für eine Papierfabrik in Uetersen bestimmt ist. „Da sind wir schon vor dem Frost nicht hingekommen“, ärgert sich Jan Boll, „wegen des Ostwinds war der Wasserstand in der Pinnau zu niedrig.“
Sein Kollege Roman Klatt, 43, hatte Ende Januar eine Ladung mit Petrolkoks noch gelöscht und wollte danach mit seinem Schiff „Pritzerbe“ in Richtung Ruhrgebiet weiterfahren. „Aber zuerst war das neue Schleusentor in Geesthacht kaputt“, erzählt er, „und dann kam der Frost.“
Jetzt haben die Binnenschiffer viel Zeit, „aber auf einem Schiff gibt es immer genug zu tun“, so Roman Klatt. Er hat gerade seinen Maschinenraum gestrichen. Außerdem muss er sich um eine ausgefallene Heizung kümmern. Seit seiner Kindheit ist er auf Flüssen und Kanälen unterwegs. „Ich bin sozusagen auf einem Schiff geboren“, scherzt Klatt. Heute fährt er zusammen mit seiner Tochter Charlene durch Deutschland. Sie ist – ebenso wie ihr Vater – ausgebildeter Boots„mann“.
Auch Jan Boll ist auf Binnenschiffen groß geworden. Genau wie seine fünf Geschwister durfte er bereits als Junge mit seinen Eltern mitfahren. „Als das erste Kind in die Schule kam, ist meine Mutter dann zu Hause geblieben“, erinnert er sich. Genauso haben es die Bolls mit ihren drei Kindern auch gehalten. Heute sind alle drei erwachsen, deshalb fährt Maria Boll wieder mit. Doch in die Fußstapfen der Eltern wollen die Kinder nicht treten: Nach fünf Generationen auf Binnenschiffen wird die Tradition bei den Bolls wohl in einigen Jahren zu Ende gehen.
„Die Bedingungen sind immer schlechter geworden“, begründen Jan Boll und Roman Klatt. Die Konkurrenz, besonders aus dem Osten, ist zu groß geworden. „Viele arbeiten für Dumping-löhne.“ Und durch das Eis schmilzt der Verdienst noch weiter: Zwischen 800 und 900 Euro liegt der Ausfall pro Tag.
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