Wo bleibt der Fahrstuhl?

Ihre Enkelin von der Kita Am Johannisland im neu eröffneten BGZ Süderelbe abzuholen, ist für Claudia Henel kein Vergnügen, denn auf dem Weg zur S-Bahn muss die 50-Jährige viele Hürden meistern.
 
Eine wackelige Angelegenheit: Weil es am Ostende des Bahnhofs keinen Fahrstuhl gibt, braucht Claudia Henel helfende Hände, um den schweren Kinderwagen die Treppe zum Bahnsteig runter zu tragen.

Die vielen Treppen und fehlende Aufzüge machen den Besuch im neuen
Bürgerzentrum für viele zur Strapaze – Wann Fahrstühle gebaut werden, ist weiter unklar

Wenn Claudia Henel ihre Enkeltochter Medina-Celine von der Kita Am Johannisland abholt, braucht sie gute Nerven. Und eine Portion Glück. „Ich kann den Kinderwagen nicht alleine die Treppe runter schleppen“, sagt die 50-Jährige und zeigt auf die steile Betontreppe zum Gleis 3 am S-Bahnhof Neugraben. „Deshalb brauche ich immer fremde Hilfe.“ Packt keiner mit an, kann sie der S-Bahn nach Fischbek nur noch hinterherwinken. Henel: „Das ist ärgerlich. Denn die Bahn fährt meist nur alle 20 Minuten.“
Doch die steile Treppe ist nur eine der Hürden, die Henel auf dem Weg zur Kita im frisch eingeweihten Bildungs- und Gemeinschaftszentrum Süderelbe (BGZ) meistern muss. Auch am Ende der Fußgängerbrücke im Norden des Bahnhofs gibt es keinen Fahrstuhl. Dort muss Henel zwei Stockwerke hoch, um von der Kita zur S-Bahn zu gelangen. „Es gibt eine Rampe, aber die war im Winter gesperrt, weil es zu glatt war“, berichtet sie. Doch sie und viele andere Mütter mit Kinderwagen hätten sich trotzdem auf eigene Gefahr unter dem Absperrband durchgedrängt. „Was sollten wir sonst tun?“, fragt Henel kopfschüttelnd.
Die Fischbekerin kann nicht fassen, dass das BGZ derart schlecht erreichbar ist. „Ich kann mir ja noch behelfen. Aber wie sollen Behinderte und alte Leute ins BGZkommen? Für sie ist das neue Bürgerzentrum doch auch da!“, sagt sie empört.
Birgit Przybylski von der Behindertenarbeitsgemeinschaft Harburg teilt Henels Empörung. „Behinderte stehen mal wieder außen vor“, sagt sie. Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehwagen könnten das BGZ nur unter sehr großen Umständen erreichen. Zwar gebe es am Westende des Bahnhof Schrägaufzüge, doch um von dort zum BGZ auf der anderen Seite des Bahnhofs zu kommen, ist es ein weiter Weg, der über eine Rampe im Süden des Bahnhofs schließlich auf die Fußgängerbrücke führt. Przybylski: „Ich möchte nicht mit dem Gehwagen da hochlaufen, das ist einfach zu beschwerlich.“
Die S-Bahn will von den Problemen nichts wissen: „Der Bahnhof ist barrierefrei“, sagt S-Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst knapp. Deshalb seien seitens der Bahn keine Baumaßnahmen geplant. „Wir sind für den Bahnhof zuständig“, so die Sprecherin. „Der Weg zum neuen Bürgerzentrum ist Sache der Stadt.“


Das plant der Bezirk Harburg
Baudezernent Jörg Penner erklärt: „Der Landesbetrieb Straßen,
Brücken und Gewässer plant derzeit in Absprache mit dem Bezirksamt den Bau eines öffentlichen Aufzuges mit Treppe am Nordende der Fußgängerbrücke, an der Südwestecke des Parkhauses. Diese Anlage wird von der Stadt Hamburg im Zuge der Erschließung des Elbmosaiks finanziert. Die heutige Rampenanlage war zur Zeit ihres Baus als barrierefrei eingestuft, ist aber nach heutigen Standards zu steil. Sie wird nach Fertigstellung des Fahrstuhls abgebrochen.“ Wann der dringend benötigte Aufzug gebaut werde, sagt Penner nicht. Warum er nicht zeitgleich mit dem BGZ geplant wurde, erklärt er so: „Der Fahrstuhl sollte zunächst im Zusammenhang mit zwei privaten Torbauten errichtet werden. Jedoch hat sich deren Realisierung so verzögert, dass die Stadt den Aufzug nun vorab in eigener Regie baut.“ Darüber hinaus seien noch zwei weitere Fahrstühle im Gespräch. Einer an der Ostseite – hier will die Bahn prüfen, ob ein Fahrstuhl die beiden Schrägaufzüge im Westen ersetzen könnte – und ein weiterer Aufzug südlich des Bahnhofs. Wer ihn errichten, finanzieren und unterhalten soll, werde derzeit geprüft, so Penner.
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