„Wir wollen eine Kippe zum Kaffee!“

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Eckard Schulz, Christa Horn, Karin Schwonberg und Erika Marquardt verstehen nicht, warum sie zu ihrem Kaffee keine Zigarette mehr rauchen dürfen. Der Rauch würde schließlich durch das zum Teil offene Dach abziehen. Schulz: „Hier zieht das doch wie Hechtsuppe.“

Neuwiedenthaler wollen im Bäckerei-Café der Rehrstieg Galleria wieder rauchen

Nach dem Einkaufen in der Rehrstieg Galleria mit Nachbarn und Bekannten einen Kaffee trinken – das war für Erika Marquardt viele Jahre lang ein Ritual. „An den Tischen vor dem Bäcker saß immer jemand zum Plaudern.“ Für viele gehörte zum Kaffee auch eine Zigarette. Doch seit Juni 2011 herrscht in dem Einkaufszentrum Rauchverbot. „Jetzt gehe ich einkaufen und dann gleich nach Hause. Hier ist niemand mehr“, sagt Marquardt traurig. Auch ihre Freundin Christa Horn bedauert das Verbot, obwohl sie Nichtraucherin ist. „Die Galleria verödet“, findet sie. Zudem habe der Rauch nie gestört. Horn: „Das Dach ist doch offen. Durch den Spalt zog alles sofort ab.“
Einen anderen Treffpunkt haben die beiden Rentnerinnen und ihre Nachbarn nicht, denn in dem Quartier gibt es keine Cafés. Um so wütender sind sie, dass in der Galleria an anderen Stellen sehr wohl geraucht wird. „Vor Rewe ist ein Aschenbecher, um den Leute stehen und rauchen. Und es laufen Leute qualmend durch das Einkaufszentrum“, erzählt Marquart. „Aber wir dürfen hier nicht sitzen und rauchen.“
Das versteht auch Bäckerei-Geschäftsführer Uwe Radke nicht: „Warum darf man im Stehen rauchen und im Sitzen nicht? Das ist doch Blödsinn“, sagt er. Für ihn hat das Verbot auch finanzielle Konsequenzen. Zwar betreib Radke die Filiale der bekannten Bäckerei-Kette erst seit Februar diesen Jahres. Vergleicht er seinen Umsatz mit dem seines Vorgängers bis 2011, gibt es deutliche Einbußen. Radke: „Damals kamen täglich bis zu 350 Kunden, jetzt sind es etwa 100 weniger.“
Christian Appuhn vom Vermieter Wegner Unternehmensgruppe stellt klar: „Überall in der Galleria gilt absolutes Rauchverbot.“ Nach einer anonymen Anzeige beim Ordnungsamt habe es 2011 eine Begehung der Behörde im Einkaufszentrum gegeben. Zwar sei es richtig, dass die Frischluftzufuhr durch das an den Seiten offene Dach gewährleistet sei, doch in dem Einkaufs-zentrum greife das Passivraucherschutzgesetz trotzdem. „Ausschlaggebend ist, dass die Galleria über Zugänge von außen und abschließbare Türen verfügt, deshalb gilt sie als geschlossenes Gebäude“, erklärt Appuhn. Nach der Begehung habe man alle Mieter informiert. Warum im Innenbereich immer noch ein Aschenbecher steht, will Appuhn nun prüfen lassen. „Dass Passanten rauchend durchs Einkaufszentrum gehen, wird sich wahrscheinlich nie ganz unterbinden lassen. Wir appellieren aber an die Vernunft des Einzelnen“, so Appuhn.
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Cornelia Winkler aus Hausbruch | 03.07.2013 | 21:51  
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