„Wir wollen diese Männer hier nicht!“

Im Dezember sollen drei ehemalige Sicherungsverwahrte in das Haus (hinten) am Moorburger Elbdeich einziehen. An der Bushaltestelle „Moorburg, Kreuzung“ hagelte es Fragen an Sozial-Staatsrat Jan Pörksen (Mitte). Befriedigende Antworten für die Moorburgerinnen gab es wenige. (Foto: Foto: pr)

Moorburger Frauen übergaben 2.124 Unterschriften gegen Unterbringung Ex-Sicherungsverwahrter an Sozial-Staatsrat

von Annekatrin Buruck, Moorburg
Die Stimmung an der Kreuzung Moorburger Elbdeich/Waltershofer Straße war aufgeheizt. „Wir wollen diese Männer hier nicht haben!“, erklärte Mandy Morgenstern, Mutter von zwei Kindern, und sprach damit rund 120 Frauen und Mädchen aus der Seele, die sich zu einer Kundgebung versammelt hatten. „Ich habe drei Kinder, ich habe einfach Angst“, betonte eine andere Frau.
Nur wenige Meter hinter der Kreuzung liegt das Haus, in dem nach dem Willen des Hamburger Senats drei ehemalige Sicherungsverwahrte einziehen sollen. Direkt in Sichtweite befinden sich vier Bushaltestellen und ein Park-and-Ride-Platz. Die Moorburgerinnen halten den Standort deshalb für völlig ungeeignet. „Hier müssen viele Frauen, Kinder und Jugendliche im direkten Sichtbereich der Ex-Sicherungsverwahrten ein-, um- und aussteigen“, begründet Heike Herder, Sprecherin des Gesprächskreises Moorburg/Hohenwisch. Ein Kindergarten und zwei Reiterhöfe liegen ebenfalls in der Nähe. „Ausweichen ist hier nicht möglich, es gibt nur diese eine Kreuzung.“
Von den Politikern fühlen sich die Frauen nicht ernst genommen. Weder Sozial-Staatsrat Jan Pörksen noch der Harburger Bezirksamtsleiter Thomas Völsch, die zum Ortstermin erschienen waren, konnten die Ängste der Frauen zerstreuen. Auf die Frage einer Moorburgerin: „Wie fühlen Sie sich hier an der Haltstelle?“ gab Pörksen keine Antwort. Auch die dreimal wiederholte Frage einer anderen Frau: „Werden wir benachrichtigt, wenn die Bewachung der Männer aufgehoben wird?“ blieb unbeantwortet. Es sei nicht einmal sicher, ob sich die Ex-Straftäter, die ja im Prinzip freie Menschen sind, eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung gefallen lassen müssen. Nur dass die Ex-Sicherungsverwahrten kommen – und zwar dauerhaft – daran ließ Pörksen keinen Zweifel.
Damit wollen sich die Moorburgerinnen nicht abfinden. 2.124 Unterschriften haben sie bisher gegen die Unterbringung gesammelt. Und sie wollen weiter kämpfen. „Wir fordern die Suche nach einem neuen Standort“, machte Herder klar.
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