„Wir haben alles verloren“

Die Sturmflut hinterließ auf der Insel Waltershof eine Spur der Verwüstung und kostete 42 ihrer Bewohner das Leben. Die Insel wurde später als Siedlungsgebiet aufgegeben. (Foto: privat)

Anke Söhnholz floh mit ihrer Familie vor den Fluten auf der Insel Waltershof

Zwei Kilometer weit sei ihr Elternhaus in der Flutnacht weggeschwemmt worden, berichtet Anke Söhnholz mit einem Schaudern. Am Athabaskahöft ganz im Norden Waltershofs habe das kleine Steinhaus gestanden. Am Morgen des 17. Februars 1962 lag es im „Grund“, einem von Deichen umgebenen Tiefgebiet im Zentrum der Insel, in Trümmern. „Wir haben alles verloren“, erzählt die 61-Jährige, die heute in Buxtehude lebt. „Uns blieb nur, was wir am Körper trugen.“
Damals war Söhnholz erst elf Jahre alt, doch die schrecklichen Ereignisse brannten sich in ihr Gedächtnis ein. „Es hatte den ganzen Tag schrecklich gestürmt. Meine Eltern haben mich nicht zur Schule gehen lassen, weil ich so mickrig war, dass sie Angst hatten, ich wehe weg“, erinnert sie sich. Auch dass die Fänsterläden laut geklappert haben, weiß sie noch genau. So stark sei der Wind gewesen, dass die Keile, mit denen ihr Vater sie gesichert hatte, sich immer wieder lösten. „Keiner von uns hat geschlafen, wir waren alle viel zu beunruhigt,“ sagt die Rentnerin. Vor der Flut gewarnt habe sie aber niemand. Ihr Vater sei dennoch so besorgt gewesen, dass er schließlich gegen Mitternacht selbst am Deich nach dem Rechten schaute. Er kam entsetzt wieder zurück. „Wir müssen hier raus, das Wasser kommt!“, alarmierte er seine Familie.
Dann ging alles ganz schnell. „Meine Brüder
packten alles was sie konnten in ein kleines Boot, und meine Schwägerin und ich machten uns zu Fuß auf den Weg den Deich entlang“, erzählt Söhnholz. „Wir wollten uns alle bei der Schule treffen.“ Die war im Süden der Insel. Doch Söhnholz und ihre Schwägerin kamen nicht weit: Auf der Straße am Deich stand das Wasser bereits kniehoch. Söhnholz: „Ich hatte schreckliche Angst.“ Die Rettung brachte ein Lkw. „Der hat uns aufgesammelt. Er war brechend voll mit Menschen und wäre fast umgekippt.“ Die Gruppe fand in der höher gelegenen Zollstation Zuflucht. Am nächsten Tag traf Söhnholz ihre Familie in der Schule Waltershof wieder.
Nach all den Jahre träume sie immer noch manchmal von dieser Nacht, erzählt die ältere Dame nachdenklich. Und die Angst vor Wasser habe sie nie wieder losgelassen. Söhnholz: „Ich kann bis heute nicht schwimmen“.


Ehemalige Mitschüler gesucht!
Anke Söhnholz, geborene Hamann, besuchte, bis die Sturmflut Waltershof verwüstete, die örtliche Schule. Nach der Flut ging sie in Finkenwerder weiter zur Schule und verlor ihre Waltershofer Schulkameraden aus den Augen. Jetzt möchte sie wieder Kontakt zu den ehemaligen Mitschülern aufnehmen. Ein Foto von einem Ausflug, bei dem mehrerer Klassen vermutlich zwischen 1958 und 1960 zusammen unterwegs waren, hat die ehemalige Waltershoferin noch. Söhnholz: „Ich muss in der zweiten oder dritten Klasse gewesen sein“. Auch an den Namen ihres damaligen Klassenlehrers kann sie sich erinnern: „Er hieß Herr Tiedt.“ Wer sich auf dem Bild wiedererkennt, kann sich bei Söhnholz unter Tel. 04161/86 66 43 melden. AS
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.