Wie lebten die Fischbeker mit den Briten zusammen?

Für die große Aktion des Süderelbe Archivs „Fischbek: Die Briten in der Nachkriegszeit“ sucht Stephan Kaiser alte Karten aus dem Archivschrank im BGZ heraus. Er ist der Zweite Vorsitzende des Kulturhauses, das eines der sieben Träger des BGZ ist. Das Süderelbe Archiv wiederum ist eine Arbeitsgruppe im Kulturhaus und damit im BGZ.

Erinnerungsstücke und Berichte aus der britischen Besatzungszeit für das Süderelbe Archiv gesucht

Karin istel, Süderelbe

Fischbek ist heute ein eher idyllischer Hamburger Stadtteil. Das war nicht immer so: Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten die Engländer hier ein Lager ein. Jetzt sucht das Süderelbe Archiv nach Erinnerungsstücken.

Was war das für ein Lager?
In dem speziell gesicherten Lager hielten die Briten mutmaßliche Kriegsverbrecher fest (War Criminal Holding Centre Fischbek). Sie waren aus britischen Internierungslagern seit dem Frühjahr 1947 hier in Fischbek zusammengelegt worden. Darunter waren auch 129 Personen, die von französischen Justizbehörden gesucht wurden.

Gibt es Bücher darüber?
Ja. Der ehemalige Postbote des Lagers, Werner Storl, hat das Buch „Die Jahre mit Hunger und Kälte. Erlebte Zeitgeschichte 1945-1949“ geschrieben. Darin wird das Lagerleben geschildert.
Und Dr. Michael Ahrens hat die britische Besetzungszeit in Hamburg als Erster in seiner Doktorarbeit wissenschaftlich untersucht. Er wird darüber im Mai einen Vortrag im Süderlebe Archiv halten. „Die Hamburger Nachkriegsgeschichte habe ich immer unrund empfunden, weil die britische Seite der Besatzung weitestgehend fehlte. Sie war lange Jahre ein großes schwarzes Loch“, so der Historiker.
Der Vortrag, der sich mit der britischen Besatzung ganz Hamburgs auseinandersetzt, regte die Mitglieder des Süderelbe Archivs zu ihrer „Suchaktion“ im Hamburger Südwesten an.

Was wird gesucht?

„Fotos, Tagebücher – einfach alles, was aus der britischen Besatzungszeit noch so im Schrank herumsteht. Vielleicht hat ja jemand sogar noch eine Tafel Schokolade, die die Engländer früher aus den Zügen den Kindern zugeworfen haben“, zählt Stephan Kaiser auf. Er ist Zweiter Vorsitzender des Kulturhauses, dem das Süderelbe Archiv als Arbeitsgruppe angehört. „Oder vielleicht weiß jemand um Freundschaften, die über die Besatzungszeit hinaus geführt wurden? Oder um Ehen, die in der Besatzungszeit geschlossen wurden?“

Wo kann man die Sachen abgeben?
Ins BGZ. „Bitte, vorher telefonisch einen Termin vereinbaren. Wer nicht mehr mobil ist, zu dem komme ich gern nach Hause“, bietet Kaiser an.

Was passiert mit den Sachen?
Sie sollen in einer Ausstellung des Süderelbe Archivs oder an einem Info-Abend präsentiert werden. Wer möchte, kann seine Sachen auch als Dauerleihgabe dem Archiv überlassen. Oder die Dinge werden digital erfasst und als Datei im Archiv gespeichert. „Das Archiv soll um diesen zeitgeschichtlichen Aspekt erweitert werden“, erhofft sich Kaiser.

Kontakt:
Stephan Kaiser
Tel. 796 72 22
info@kulturhaus-suederelbe.de

Vortrag:
Dr.Michael Ahrens
Die Briten in Hamburg. Besatzerleben 1945-1958
Do, 7. Mai, 19.30 Uhr
Süderelbe Archiv
BGZ, Am Johannisland 2
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