Wer zahlt für die Wahlplakate?

Auch im Schneeregen noch gut zu erkennen: Katja Suding (FDP) und Olaf Scholz (SPD) auf den Plakatwänden am S-Bahnhof Neugraben.

Jede Partei entscheidet selbst, ob die Kandidaten oder die Partei die Kosten trägt

O. Zimmermann/ K. Istel, Hamburg-Süd - Die Bürgerschaftswahl rückt näher. Harburg gleicht bereits einem Schilderwald. Auf unzähligen Wahlplakaten werben die Parteien im Bezirk um die Gunst der Wähler.

Bei der CDU müssen die Kandidaten dafür tief in die eigene Tasche greifen. „Die Plakate sind selbst finanziert, hergestellt und aufgestellt“, erklärt der stellvertretende Kreisvorsitzende Rainer Bliefernicht, „der Kreisverband hat damit nichts zu tun.“ Wie viel kostet der Spaß? Bliefernicht: „Bei 250 Plakaten kommen schon rund 3.000 Euro zusammen, wenn sie das ordentlich machen wollen.“
Allerdings werben ohnehin nur drei CDU-Kandidaten auf Stellschildern: Birgit Stöver (Spitzenkandidatin Wahlkreis Harburg), André Trepoll (Spitzenkandidat Wahlkreis Süderelbe) und Harald Krüger (bestplatzierter Harburger auf der Landesliste).

Ähnlich sieht es bei der SPD aus. „In den Wahlkreisen werden jeweils die beiden Spitzenkandidaten plakatiert“, so Frank Richter, Vorsitzender des SPD-Kreis Harburg. In die eigene Tasche greifen müssen die SPD-Kandidaten dafür nicht. „Dabei wird eine bestimmte Anzahl an Plakaten von der Partei zur Verfügung gestellt. Jeder Kandidat erhält zudem ein Paket von mindestens 5.000 Flyern. Die Kandidaten müssen keine eigenen finanziellen Mittel für den Wahlkampf aufbringen, sofern sie nicht darüber hinaus Material zur Verfügung haben wollen“, so Richter.
Wie teuer wird das für die SPD? „Die Plakate DIN A0 kos- ten bei einer Abnahme von 1.000 Stück 524 Euro“, so Richter.

Sind noch alle Plakate heil oder gab es bereits Vandalismus-Schäden? CDU-Politiker Rainer Bliefernichts These: „Je rechter eine Partei ist, desto mehr Plakate werden zerstört. Bei uns halten sich die Schäden bislang in Grenzen, es sind weniger als beim letzten Mal.“ Da hat sich der Weg der CDU in die politische Mitte doch bezahlt gemacht...
Völlig anders sieht es dagegen bei der Partei Die Alternative für Deutschland (AfD) aus. „Es kommt im Verlauf dieses Wahlkampfes zu einer regelrechten Kampagne gegen die Wahlplakate der Alternative für Deutschland. Teilweise werden unsere Plakate systematisch abgehängt und mit Fahrzeugen abtransportiert. Entsprechende Vorgänge wurden bereits von uns zur Anzeige gebracht“, sagt Ulf Bischoff vom Bezirksverband Harburg.
Die Linke kommt etwas glimpflicher davon. In Neugraben sind nur einige von insgesamt 500 Plakaten im Bezirk Harburg zerstört. Obwohl keine Kandidaten darauf abgebildet sind. „Wir setzen auf Themen und inhaltliche Aussagen“, so Sabine Boeddinghaus. „Dem entsprechend gibt es kein persönliches Wahlkampfbudget.“ Die 2.500 Euro für die Plakatwerbung im Bezirk Harburg zahlt der Landesverband.

Plakate:
Sowohl bei SPD als auch bei der CDU plakatieren in den beiden Harburger Wahlkreisen nur die jeweiligen Spitzenkandidaten. Auf Grund dieser innerparteiliche Absprachen haben Kandidaten auf hinteren Plätzen deutlich schlechtere Chancen, auf sich aufmerksam zu machen. Das ist ganz im Sinne der Parteien, die ja die Reihenfolge der Kandidaten auf der
Liste festgelegt haben und nur ungern sehen, wenn Wähler hier etwas ändern.
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