Wer muss baggern?

Am Anleger informiert eine Tafel die Fahrgäste. Zusätzlich ist die Fährverwaltung telefonisch erreichbar. Die Linie wird jährlich von etwa 90.000 Fahrgästen genutzt, darunter viele Touristen auf dem Weg ins Alte Land. 2012 sank die Zahl auf 65.000. Grund dafür war das havarierte Estesperrwerk, das die Zufahrt versperrte.

Fähre kann Cranz bei Niedrigwasser und Ostwind nicht ansteuern – keine Lösung in Sicht

Die Forderung der Cranzer ist eindeutig: „Die Hadag muss als Betreiber dafür sorgen, dass die Fähre nach Blankenese verlässlich fährt“, sagt Boy Friedrich vom Arbeitskreis Cranz und betont: „Die Fähre ist ein Eingangstor ins Alte Land und für uns Cranzer eine wichtige Verbindung zu Außenwelt.“ Doch an der Verlässlichkeit hapere es. Immer öfter falle die Fähre aus, weil sie Cranz bei Niedrigwasser nicht ansteuern kann. „So unzuverlässig wie jetzt war sie früher nicht“, sagt Gudrun Schittek, ebenfalls Mitglied im Arbeitskreis Cranz. Sie nutzt die Fähre seit 20 Jahren, um nach Blankenese zur Arbeit zu fahren und fordert: „Die Fahrrinne muss ausgebaggert werden!“
Zum Hintergrund: Damit Fähren den Anleger Cranz ansteuern können, muss die Este laut Hadag eine Tiefe von mindestens 1,90 Meter haben. Das ist bei extremem Niedrigwasser, meist in Verbindung mit Ostwind, nicht der Fall. Dann weicht die Fähre nach Finkenwerder oder Neuenfelde aus, und die Cranzer Fahrgäste warten vergeblich.
„Die Linie ist schwierig“, gibt Hadag-Sprecherin Maja Weihgold zu. „Wir verstehen den Wunsch der Cranzer nach Verlässlichkeit. Aber wenn das Wetter es nicht zulässt, können wir nichts machen.“ Zudem würde sich in der Estemündung vermehrt Schlick sammeln (siehe Infokasten). „Damit hat sich das Zeitfenster noch verringert, in dem wir das Mühlenberger Loch passieren können“, so Weihgold. Erst im Dezember war hier eine Fähre vor Grund gelaufen.
Nach Gesprächen mit Cranzer Bürgern will die Hadag zumindest an der Kommunikation arbeiten. „Vor Ort hängt ab sofort die Nummer der Fährverwaltung aus, bei der man sich erkundigen kann, ob die Fähre kommt“, sagt Weihgold. Den Forderungen der Cranzer Bürger, auf dieser Strecke ein neues Schiff mit weniger Tiefgang einzusetzen, könne man aus Kostengründen jedoch nicht nachkommen. Und für das Ausbaggern der Fahrrinne sei nicht die Hadag, sondern das Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg (WSA) zuständig.
Auch WSA-Leiter Detlef Wittmüß hat keine guten Nachrichten für die Cranzer. „Wir sind zwar zuständig, aber nicht dafür, dass hier jedermann jederzeit fahren kann. Bei Ostwind und Niedrigwasser geht das einfach nicht. Das war schon immer so und wird auch wieder auftreten“, sagt Wittmüß. Dennoch sei man im Gespräch mit der Hadag, um nach Lösungen zu suchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das WSA die Fahrrinne ausbaggern wird, sei jedoch gering. Wittmüß: „Das ist nicht wirtschaftlich.“



Immer mehr Schlick in der Este-Mündung:
Ein Trostpflaster für die Cranzer: Zumindest in nächster Zeit sollte der Fährbetrieb reibungslos laufen, denn die Fahrrinne wird von der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority ausgebaggert. „Wir baggern hier bis zum 31. März, damit ein auf der Sietas-Werft gebautes Schiff auslaufen kann“, erklärt Alexander Schwertner, Sprecher der Hamburg Port Authority (HPA). Nach einem Vertrag von 1982 hat sich die HPA verpflichtet, die Este-Mündung für die Werft freizuhalten. „Außerdem hat Sietas hier mit Wasserdruck den Schlick regelmäßig weggespühlt“, so Schwertner. Davon habe in der Vergangenheit auch die Hadag-Fähre profitiert. Doch damit ist es nun vorbei, denn die insolvente Sietas Werft hat zurzeit keine neuen Aufträge. AS
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