„Weihnachten allein, das ist ein Problem“

St. Pauli-Fan Steffen lebt allein. Er freut sich, hier Weihnachten in Gemeinschaft feiern zu können.

Ökumenische Frühstücksküche: Hilfsbedürftige feierten Weihnachten bei Grünkohl satt

Neugraben - Die Tische sind festllich eingedeckt, kleine Schokoladenweihnachtsmänner und Tannenzweige verbreiten weih-nachtliche Stimmung. So langsam hört das Stühle-rücken im Saal des Gemeindehauses Heilig Kreuz auf, über 30 hilfsbedürftige Menschen freuen sich auf „ihre“ gemeinsame Weih-nachtsfeier bei Grünkohl, Kohlwurst, Kassler, Bauchfleisch und Kartoffeln satt.

Einer von ihnen ist Heinrich Persiel. Der 78-Jährige hat eine lange Anfahrt hinter sich: „Ich komme seit gut sieben Jahren aus Dahlenburg hierher. Das liegt im Landkreis Lüneburg. Wenn nichts mit meiner Gesundheit ist oder ich Behörengänge erledigen muss, bin ich montags bis freitags hier in Neugraben zum Frühstück.“ Hier kennt er fast jeden mit Vornamen, fühlt sich unter seinen Freunden wohl. „Weihnachten, das ist ein Problem. Am Heiligen Abend holt mich mein Sohn ab. Aber dann...“, seine Stimme wird leiser. „Ich bin allein zu Haus. Mein Sohn hat selbst Familie, muss zu den Schwiegereltern. Früher hat meine Frau alles gemacht, aber die ist schon seit 13 Jahren tot.“ Sagt´s, atmet tief ein und widmet sich wieder den Kartoffeln auf seinem Teller.

Auch für Steffen ist die Weihnachtsfeier hier im Gemeindesaal ein Highlight. „Wenn man alleinstehend ist so wie ich, hat man hier eine schöne Weihnachtsfeier in Gemeinschaft. Das Fest ist ein schöner Abschluss des Jahres“, freut sich der St.Pauli-Fan und sticht mit der Gabel in die Wurst auf seinem Teller. Dem Heiligen Abend sieht der 50-Jährige mit gemischten Gefühlen entgegen: „Ich werde allein sein und fernsehen. Wenn mir danach ist, gehe ich in die Kirche.“

Damit bei der heutigen Weihnachtsfeier kein Trübsal aufkommt, singen der Damenchor Neugraben und der Männergesangverein Sängerlust Scheideholz bekannte und beliebte Weihnachtslieder. Die Stimmung wird richtig ausgelassen, als bekannte, maritime Lieder angestimmt wurden: Bei „Ick heff mol en Hamborger Veermaster sehn“ wird lautstark mitgesungen und geklatscht.

Die beiden Chöre haben nicht nur Lieder dabei, sondern auch eine Spende von 620 Euro. „Davon wird das Grünkohlessen bezahlt“, so Joachim Meyer. Gemeinsam mit Angelika Maack leitet er die „Ökumenische Frühstücksküche für Hilfsbedürftige“.
Fast das ganze Jahr über serviert eine Gruppe des insgesamt 20-köpfiges Helferteams montags bis freitags Menschen mit schmalem Geldbeutel ein deftiges Frühstück. Die Ehrenamtlichen kommen aus den Kirchengemeinden Cornelius und Heilig Kreuz Vor dem Frühstück holen sie Brot-, Wurst- und Käsespenden von örtlichen Geschäftsleuten ab, arrangieren alles nett auf Tellern und kochen Kaffee oder Tee. „Und zu Weihnachten gibt es das beliebte Grünkohlessen. Das ist der Höhepunkt im Jahr“, freut sich Joachim Meyer über die vielen glücklichen und zufriedenen Gesichter der Gäste.
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