Vor dem Aus: Hilfe für Kinder

Das Außengelände des Kinderzentrums am Liedenkummer Bogen ist naturnah gestaltet, ein idealer Abenteuerspielplatz für die Jungen und Mädchen. Sabine Suhr, Leiterin des Kinderzentrums Neuenfelde, und Martin Bartels, Jugendsozialarbeiter und stellvertretender Leiter des Kinderzentrums, ärgern sich über die Sparpläne des Bezirksamts. Sie befürchten, dass viele der Kinder vernachlässigt werden, wenn sie nicht mehr in dem Kinderzentrum nachmittags betreut werden können. (Foto: Annekatrin Buruck)

Streicht der Bezirk Harburg die Mittel, wird die Nachmittagsbetreuung sozial benachteiligter Mädchen und Jungen in Neuenfelde eingestellt

von Annekatrin Buruck, Neuenfelde
Im DRK-Kinderzentrum Neuenfelde schrillen die Alarmglocken. Die Nachmittagsbetreuung für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren steht vor dem Aus, weil der Bezirk die Finanzierung streichen will. „Eigentlich wollten wir die Betreuung sogar noch ausbauen, und nun das!“ empört sich Martin Bartels, Jugendsozialarbeiter in Neuenfelde und stellvertretender Leiter der Kita. „Ohne das Geld müssen wir die Nachmittagsgruppe komplett einstellen. Die Kinder sind dann nachmittags ohne Aufsicht – zu Hause, auf der Straße, jedenfalls nicht bei uns.“ Insgesamt 211.000 Euro pro Jahr soll der Bezirk Harburg im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit ab nächstem Jahr einsparen, darunter 14.233 Euro in Neuenfelde. Zwar hat der Jugendhilfeausschuss dieses Sparpaket am Freitag abgelehnt; wie es weitergeht, weiß aber noch niemand.
Zurzeit kommen acht Jungen und Mädchen aus der Seehofsiedlung an zwei Nachmittagen in der Woche in das Kinderzent-rum. Zwei Erzieherinnen und eine Mitarbeiterin der Regionalen Beratungs- und Unterstützungsstellen (Rebus) helfen ihnen bei den Hausaufgaben sowie bei Problemen in Schule oder Familie. Außerdem gibt es ein kostenloses Mittagessen.
„Die Kinder kommen meist aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Elternhäusern, sie haben Schwierigkeiten in der Schule und im sozialen Mit-
einander“, sagt Sabine Suhr, Leiterin des Kinderzentrums. Sie bräuchten besondere Unterstützung – das normale Nachmittagsangebot an den Grundschulen in Neuenfelde und Cranz reiche hier nicht aus. „In Gruppen mit über 20 Kindern sind sie nicht integrierbar“, weiß Suhr. Außerdem sei das Angebot der beiden Grundschulen freiwillig. „Oft gehen gerade die Kinder, die es nötig haben, da nicht hin“, sind sich Suhr und Bartels einig. Und einen Kitagutschein für einen Hortplatz bekommen die Kinder auch nicht. „Den gibt es nur, wenn beide Eltern berufstätig sind“, erklärt die Leiterin.
Seit 2004 gibt es die Nachmittagsbetreuung in Neuenfelde. Sie fußt auf einem Projekt der Sozialbehörde mit dem Ziel, Hilfen zur Erziehung, zum Beispiel durch das Jugendamt, zu vermeiden. Genau die werden aber in Zukunft verstärkt nötig sein, wenn Projekte wie die Nachmittagsbetreuung gestrichen werden, fürchten Suhr und Bartels.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.