Verschönerung auf Zeit

Emre (15) und Nina (15) sind stolz auf ihr Kunstwerk. (Foto: Henning Pfeifer)

Schüler-Kunstprojekt in Neugraben: Zwei Stunden lang brachte Silberfolie die Marktpassage zum Glitzern

von Henning Pfeifer, Neugraben
An einem nasskalten und nebligen Novembertag umhüllen Jugendliche in der Neugrabener Marktpassage einen großen Stein, eine Parkbank und einen einsam stehenden Baum mit Alufolie. Warum? Die Aktion ist Teil eines Kunstprojektes der Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg in Kooperation mit dem Kulturhaus Süderelbe. „Ziel ist es, den Heranwachsenden das Bewusstsein zu vermitteln, dass Orte in ihrer Lebensumgebung veränderbar sind, gerade wenn diese als wenig attraktiv empfunden werden“, erklärt Mammad Oghatiam.
Der freischaffende Künstler betreut gemeinsam mit Dörte Ellerbrock vom Kulturhaus und der Lehrerin Lea Unruh das Projekt – die Ideen für die Aktionen stammen allerdings ausschließlich von den Schülern selbst. „Es bringt richtig Spaß, mit unserer Gruppe diese langweiligen Plätze schöner zu machen“, sagt Vanessa (15).
Einziger Wermutstropfen: Nach nur zwei Stunden müssen die Schüler die Alufolie nach einer Auflage der Polizei wieder entfernen. Aber das sieht Mammad Oghatiam mitunter positiv: „Orte sind veränderbar. Indem unsere Verhüllung wieder entfernt wird, zeigen wir eben genau diese Veränderung.“ So wird auch das Entfernen der Silberfolie von den Jugendlichen entsprechend lustvoll begangen. „Wir werden uns noch mehr Plätze wie diesen hier schnappen“, sagt Emre (15). „Die Schüler fotografieren noch weitere Orte, und im Nachmittagskurs zeichnen wir auf den Fotos ein, wie die Plätze gestaltet werden sollen“, erklärt Lehrerin Lea Unruh.
Die Einkäufer in der Fußgängerzone nehmen wohlwollend Notiz von der Veränderung: „Endlich geschieht hier mal was. Die Betonoptik ist auf Dauer ein wenig deprimierend“, sagt Passantin Brigitte Ziebner. Auch Manfred Fiebranz ist begeistert: „Ich finde es gut, wenn junge Leute ihre Umgebung positiv verändern wollen. Bloß schade, dass alles so schnell wieder entfernt werden muss.“
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