Unterwegs in Sachen Kultur

Roseline (16), Angelika (16), Serkan (17), Misidu (17) und Svetlana (16, v.l.) hatten nicht nur Spaß, sondern sprangen auch über ihren Schatten, gerade wenn es darum ging, die literarischen Kunstwerke vor ihren Mitschülern zu präsentieren. (Foto: Rosa Ende)

Projekt „Kulturagenten“ startet an der Stadtteilschule
Süderelbe mit einem Poetry Slam

von Rosa Ende, Neuwiedenthal
"Wenn du dich traust, machs doller. Bei dem Text kannst du richtig ausrasten und dann hast du das Publikum auf deiner Seite“, rät Moritz Neumeier. Und Svetlana traut sich: Ihr freundliches Gesicht verzieht sie zu einer finsteren Miene und kneift die Augen zu Schlitzen zusammen. Ihre Stimme und das eingestreute, höhnische Lachen gehen unter die Haut. Der Text, den Svetlana vorträgt, ist eine Abrechnung. Er erzählt von Verletzung und Zurückweisung, von Hass und Verachtung.
Geschrieben hat sie ihn im Poetry Slam Workshop, den Bühnenpoet Neumeier an der Stadtteilschule Süderelbe angeboten hat. Poetry Slam ist ein aus den USA stammender Literaturwettstreit, bei dem Autoren eigene Texte vortragen, die anschließend vom Publikum bewertet werden. Der Workshop ist der Auftakt des auf vier Jahre angesetzten Programms „Kulturagenten für kreative Schulen“ an der Stadtteilschule, dessen Ziel es ist, Kinder und Jugendliche nachhaltig für Kultur und Kunst zu begeistern. Um diese Mission zu erfüllen, werden Kulturagenten eingesetzt. Ralf Eger ist einer von ihnen. „Neben den Möglichkeiten Einzelprojekte auf den Weg zu bringen, geht es vor allem darum die Schule als Institution weiter zu entwickeln, damit sie langfristig selbst kontinuierliche, kulturelle Arbeit leisten kann“, erklärt er.
Lehrerin Gabriele Sitte-Kremer würde am liebsten noch weiter gehen: „Ich wünschte mir, Kultur für alle etablieren zu können und dass die Schule ein Ort wird, von dem aus Kultur in den Stadtteil gelangt. Aber das ist eine Vision.“ Glücklich wäre sie bereits, würden sich in den vier Jahren feste kulturelle Veranstaltungsreihen verankern.
Die Schüler jedenfalls freuten sich, von einem erfahrenen Künstler unterrichtet zu werden. „Das hat Spaß gemacht“, sagt Svetlana. Aber es war auch ein Stück Arbeit: „Der Anfang war schwer. Ich wusste nicht wie und was ich schreiben wollte und dachte, das kann ich nicht“, sagt Misidu (17), die am Ende stolz einen Text über Freundschaft in den Händen hält.


Info: Kulturagenten für kreative Schulen
Das Modellprogramm „Kulturagenten für kreative Schulen“, das von der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Mercator initiiert und gefördert wird, läuft für vier Jahre an insgesamt 138 Schulen in fünf Bundesländern. Der Gesamtetat für das vierjährige Programm beläuft sich auf 22,8 Millionen Euro. Für die 24 beteiligten Stadtteilschulen in Hamburg, die über ein Bewerbungsverfahren ausgewählt wurden, sind acht Agenten in kultureller Mission unterwegs – allesamt mit künstlerischem Hintergrund und Erfahrungen in der Vermittlung kultureller Bildung. Ihre Aufgabe ist es, Schulen beim Aufbau von Kooperationen mit anderen Schulen, Künstlern und Kulturinstitutionen zu unterstützen sowie künstlerische Projekte zu entwickeln. An der Stadtteilschule Süderelbe sind bereits weitere Projekte, wie ein Theaterstück in der S-Bahn und ein Workshop zum Bauen und Spielen der Cajon-Trommel geplant. RE
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