Unter ihrem Pinselstrich tanzen die Figuren

In ihrem Moorburger Atelier arbeitet Almut Heer an abstrakten Ölbildern und Skulpturen. Diese zehn Bronzefiguren hat die Künstlerin für einen Schlosspark in Luxemburg entworfen.

Wochenblatt-serie: Künstler aus Süderelbe: Bildhauerin und Malerin Almut Heer lebt und arbeitet auf einem ehemaligen Hof in Moorburg

Almut Heers Atelier liegt mitten im Grünen. Hinter dem großen Bauernhof am Moorburger Elbdeich, auf den die Künstlerin vor 20 Jahren gezogen ist, erstrecken sich Wiesen und Felder. „Hier kann man sich frei entfalten“, sagt Heer und blickt über den Hof. Dann zieht sie mit einem Ruck die schwere grüne Holztür des alten Apfelspeichers auf, dessen
erstes Stockwerk sie zu einer kleinen Wohnung und einem geräumigen Atelier umgebaut hat. Dort arbeitet Heer an Ölgemälden und Skulpturen und gibt im Winter Bildhauerworkshops. Im Sommer zieht sie mit ihren Schülern in die Werkstatt nach draußen.
Almut Heer hat in Hamburg und Berlin Malerei und Bildhauerei studiert. Lange habe sie nach einem Weg gesucht, diese Kunstformen zu vereinen, erzählt die 55-Jährige. „Beide Medien kämpfen gegeneinander. Das Plastische will gesehen werden, und die Farbe deckt es wieder zu“, erklärt sie. „Damit zu spielen, finde ich spannend.“
Das zeigt zum Beispiel eine Serie von vier Ölbildern, die Heer „Die Farbe tanzen“ nennt. Unter ihrem breitem Pinselstrich ist, je nach Lichteinfall mehr oder weniger deutlich, auf jeder Leinwand eine dreidimensionale Figur zu sehen. Für ihre Reliefbilder hat die Künstlerin eine eigene Technik entwickelt, als sie vor sechs Jahren wieder anfing, hauptsächlich zu malen. Heer begann menschliche Körper in Ton einzukerben, um sie dann – zuerst mit Acrylharz und später mit Pappmaché – zu füllen und das entstandene dreidimensionale Produkt auf Leinwand zu kleben. „Ich gehe da stark experimentel ran“, sagt sie und erklärt: „Handwerkliche und technische Arbeitsprozesse finde ich auch spennend.“
Doch experimentieren braucht Zeit. Da es jedoch unmöglich sei, nur vom Kunstverkauf zu leben, hält sich Heer mit Unterrichten über Wasser. An der Volkhochschule gibt sie Kurse in Malerei, Zeichnen und Bildhauerei. Zudem hat Heer seit 2002 einen Lehrauftrag für plastisches Gestalten an einem Institut im Westerwald. Helfen würden auch Stipendien oder Jahresgaben für die Lichtwark-Gesellschaft. Der Förderverein hat Heer bereits eine Skulptur und eine Radierung abgekauft. „Das hat mir ein paar Monate den Rücken frei gehalten“, freut sich die Künstlerin.

Info: Ausstellung
Gemeinsam mit elf weiteren Künstlern aus dem Hamburger Süden zeigt Almut Heer ihre Arbeiten im Rahmen des achten Harburger Kulturtages. Die Ausstellung „Perlen der Südsee“ in der Produzentengalerie „Schauraum“, Schwarzenbergstraße 42, wird am Sonnabend, 29. Oktober, um 11 Uhr eröffnet und läuft bis zum 13. November. Öffnungszeiten: sonnabends und sonntags von 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. 760 27 38.
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