Unkraut, Schnaps und Schlaf-Igel

Lukasz Lendzinski (r.) vom Architekturkollektiv „umschichten“ hat den Künstler-Schlafplatz „Igel“ mitentwickelt. Beim Aufbauen des Gebildes, das aus 16 im Kreis stehenden Waben zusammengesetzt ist, haben Freiwillige aus verschiedenen Ländern in Europa mitgeholfen. Sie kamen über den Verein „Bauorden“, der seit 50 Jahren soziale und gemeinnützige Einrichtungen durch Bau- und Renovierungsarbeiten unterstützt, nach Wilhelmsburg.

Am Donnerstag, 1. August, startet das Dockville Kunstcamp

Ordentlich aufgereiht liegen Büschel getrockneter Pflanzen vor Julia Herfurth. Die Berliner Künstlerin arbeitet in einem ehemaligen Shell-Labor auf dem Dockville-Festival-Gelände am Reiherstiegknie an ihrer Installation, die ab Donnerstag, 1. August, im Rahmen des Kunstcamps zu sehen sein wird. „Ich habe Unkräuter gesucht, die resistent gegen Pflanzenschutzmittel sind“, erzählt Herfurth und hält ein Büschel hoch: „Das ist Berufkraut.“ Genverändertes Saatgut und die Machenschaften von Konzernen wie Mon-santo haben die Künstlerin schon im Studium umgetrieben. Beim Kunstcamp stellt sie Fotos der Pflanzen aus und Radierungen, die sie mit einem ätzenden Pflanzenschutzmittel bearbeitet.
Kaum einer der 50 Künstler aus 12 verschiedenen Ländern, die sich zurzeit das Gelände zu eigen machen, hat das diesjährige Thema „Unkraut“ so wörtlich umgesetzt wie Herfurth. Die meisten nutzten es als Ausgangspunkt: So hat der Italiener Andreco einen überdimensionalen Polyeder gebaut, den er bepflanzt. Und die Hamburgerin Móka Farkas schenkt Kräuterschnaps nach Wunsch in einer selbst eingerichteten Destillerie aus. Die in Hamburg lebende Künstlerin Lenika Long arbeitet während des Camps an einer Baustelle, die sie immer wieder verändern will. „Es geht darum, das Thema auf die Arbeitsweise zu übertragen und das Gelände zu bespielen“, erklärt Kuratorin Susanne Schick. Die Werke der Künstler hätten Zeit zu wachsen und sich festzusetzen – wie Unkraut eben.
Die Holzkonstruktion des Architektenkollektivs „umschichten“ fällt durch ihre Größe und Form besonders auf. Sie besteht aus 16 im Kreis stehenden einstöckigen Waben, in denen die Künstler und ihre Helfer während des Camps schlafen. Der Igel, an dieses Tier erinnert der Bau mit den nach außen herausstechenden Balken, ist mehr als ein selbst gebauter Schlafplatz. „Die Stachel sollen die Leute fernhalten und den Künstlern einen Rückzugsort ermöglichen“, erklärt Architekt Lukasz Lendzinski. Besucher dürfen nur ins Innere, wenn Daniel Cremer zu einer seinen Performances einlädt. Vom 8. bis zum 11. August verwandelt der Regisseur und Künstler das Innere des Igels in eine „antireligiöse Kirche“.


Dockville Kunstcamp:
Eröffnung mit Konzert am Donnerstag, 1. August, ab 18 Uhr, Eintritt frei. Danach immer donnerstags und freitags ab 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags ab 14 Uhr geöffnet. Bis zum 11. August, Konzerte, Open-Air-Partys und Workshops. Eintritt je nach Veranstaltung frei oder bis zwölf Euro, Reiherstieg Hauptdeich
Das gesamte Programm des Kunstcamps gibt es hier: www.msdockville.de/kunst
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