Turbulente Zeiten in St. Nikolai

Dieser Blick auf die St. Nikolaikirche bot sich den Finkenwerdern vom Sü-derkirchenweg, zwischen 1920 und 1930. (Foto: Annekatrin Buruck)

Gemeinde feiert 130. Kirchenbestehen mit Festgottesdienst am 6. November

A. Buruck, Finkenwerder
Mitten im Jubiläumsjahr von Finkenwerder hat auch die St. Nikolaikirche Geburtstag. Das evangelische Gotteshaus wird 130 Jahre alt. Daher lädt die Kirchengemeinde am kommenden Sonntag, 6. November, zu einem Festgottesdienst ein.
Der neugotische Bau am Landscheideweg 157 ist bereits die vierte Kirche, die urkundlich erwähnt wird. „Im 19. Jahrhundert war ihr Bau jedoch lange Zeit umstritten“, weiß Pastorin Anja Blös. Die Finkenwerder Bürger fürchteten zu hohe Kos-ten. „Pastor Bodemann, der sich für den Neubau einsetzte, weil die alte Kirche zu baufällig geworden war, fand eines Tages sogar einen Schmähbrief an seiner Haustür“, erzählt Kirchenvorsteher Dirk Meier. „Du kündigst uns an, eine neue Kirche zu bauen, wir kündigen dir an, keine zu bauen“, hieß es da. Zur Begründung schrieb der anonyme Absender: „Du meinst, wir sind alle reich, aber noch sind wir Arme, mach, dass du aus Finkenwerder kommst.“
Die Kritiker konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Nach 16 Jahren Streit durfte Maurermeis-ter Lienkamp aus Hamburg im Jahr 1880 endlich mit dem Bau beginnen. Wegen des weichen Untergrundes mussten unter der Kirche 287 je neun Meter lange Rammpfähle in die Erde getrieben werden. Am 13. November 1881 wurde der Neubau schließlich eingeweiht.
In den 130 Jahren ihres Bestehens hat das im Stil einer dreischiffigen Basilika gebaute Gotteshaus so manche Höhen und Tiefen erlebt. So mussten die drei Glocken während des Zweiten Weltkrieges abgegeben werden. „Sie wurden erst nach dem Krieg auf dem Glockenfriedhof im Hamburger Hafen wieder gefunden“, so Dirk Meier.
Turbulent ging es weiter: Nach der Sturmflut von 1962 stand die Kirche 1,80 Meter hoch unter Wasser und musste danach vollständig renoviert werden. Bis heute enthält die Kirche jedoch so einige historische Kostbarkeiten, darunter die 1881 vom Orgelbauer Furtwängler errichtet Orgel sowie Kanzel und Altar aus dem 18. Jahrhundert.
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