Stinkewolke über Moorburg

Das Kraftwerk Moorburg wird zurzeit in einer Serie von Probeläufen auf den Betrieb vorbereitet. (Foto: Günter Pleinschek)

Rauch zieht nach Probelauf im neuen Kohlekraftwerk ins Dorf – Anwohner klagen über Kopfschmerzen und Reizhusten

Dunkle stinkende Rauchschwaden versetzten die Bewohner Moorburgs vergangenen Dienstag in Alarmbereitschaft. Die Quelle war schnell ausgemacht: Der Rauch zog vom benachbarten Kohlekraftwerk ins Dorf herüber. „Hier stand von vormittags bis Mitternacht eine Dunstglocke. Man konnte nicht mehr richtig atmen“, berichtet die Moorburgerin Claudia Kulenkampff. „Der Gestank war überall und zog auch in die Häuser. Es roch nach einer Mischung aus Abgasen und Grillfeuer.“ Mehrere Bewohner klagten über Kopfschmerzen und Reizhusten. Die herbeigerufene Feuerwehr gab schließlich Entwarnung: Ein Test mit einem Gaschromatographen ergab, dass in dem Rauch keine gesundheitsschädlichen Gifte waren.
Doch wie kam es zu dem Vorfall? Der Rauch sei beim ersten Erhitzen des Kessels in Block B des neuen Kohlekraftwerks entstanden, so Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow. Dabei habe das Zünden eines Brenners, der mit Heizöl befeuert wird, die Wolke verursacht. Das Ausbrennen des Kessels soll ihn vor Korrosion schützen und ist Teil der Inbetriebnahme der Anlage, die im Frühjahr 2014 ans Netz gehen soll. „Sämtliche Anlagenteile sind neu und bei erster Inbetriebnahme entsteht, ähnlich wie bei einem neuen Backofen, ein Geruch“, erklärt Meyer-Bukow. Dass der Rauch nach Moorburg zog sei ein unglücklicher Zufall gewesen. Hätte der Wind nicht gedreht, wäre die Wolke Richtung Hafen abgezogen.
Die Testläufe im Kraftwerk sind bei der Umweltbehörde angemeldet und laufen bereits seit dem 11. Juni, wie Behörden-Sprecherin Kerstin Graupner bestätigt. Die Moorburger wurden nicht darüber informiert. „Dazu gab es keine Veranlassung. Es handelte sich um einen normalen Vorgang“, so Graupner. Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg sieht das anders. „Es ist ein Skandal, dass Vattenfall das größte Kohlekraftwerk Deutschlands im Geheimen hochfährt und die nichts ahnende Bevölkerung in der Folge an Kopfschmerzen und Atemnot leidet“, kritisiert er.
Voraussichtlich im Herbst will Vattenfall den zweiten Kessel des Kraftwerks für die Inbetriebnahme vorbereiten. Dann könnte wieder eine dunkle Rauchwolke über Moorburg ziehen. Wann sie damit rechnen müssen, sollen die Dorfbewohner diesmal rechtzeitig erfahren, versichert Vattenfall-Sprecherin Meyer-Bukow.
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