Sportspaß gegen die „Vereinsmeier“

Fitnessangebote nutzen vor allem Frauen. Bei Sportspaß treiben rund 60.000 Hamburger Frauen Sport. (Foto: panthermedia)

Fitness-Riese Sportspaß will aus dem Hamburger Sportbund austreten –
Ringen um Geld und Einfluss

Fritz Schenkel, Hamburg – Im Gebälk von Körperertüchtigung und Sport in Hamburg knirscht es. Besonders vernehmlich, seitdem Sportspaß, mit mehr als 70.000 aktiven Mitgliedern Deutschlands größter Verein in diesem Bereich, zum Jahresende seinen Austritt aus dem Hamburger Sportbund (HSB) angedroht hat. Aus dem Fachverband für Turnen und Freizeit (VTF) und anderen kleineren Mitgliedsverbänden des HSB zieht sich der Fitness-Riese ebenfalls zurück.
„Wir sehen keinen Vorteil mehr darin, Mitglied des HSB zu sein. Die Förderrichtlinien des HSB sind ,zufällig' immer so gestrickt, dass wir an die großen Töpfe für Sanierung und Renovierung von Sportstätten nicht herankommen, aus denen sich die anderen größeren Vereine sehr erfolgreich bedienen“, begründete Sportspaß-Geschäftsführer Jürgen Hering den Schritt im Hamburger Abendblatt. 2015 hatte Sportspaß 441.000 Euro an den HSB abgeführt und Zuwendungen in Höhe von 116.000 Euro erhalten.
Ein Austritt von Sportspaß aus dem komplizierten Geflecht von unterschiedlichen Interessen hätte für alle Beteiligten weitreichende Folgen. Die ohnehin angespannte finanzielle Situation des HSB würde sich verschärfen, sein politischer Einfluss geringer werden.

Pokern große Vereine um mehr Einfluss?

Größer werden würde dagegen der Einfluss der angesprochenen Großvereine im HSB. 27 von ihnen, sie repräsentieren 130.000 von 585.000 Mitgliedern, betreiben in der „Gemeinschaft Top Sport Vereine Metropolregion Hamburg“ Interessenpolitik. Zu dieser Gemeinschaft zählen unter anderen der ETV, Grün-Weiß Eimsbüttel, SV Eidelstedt, Niendorfer TSV, Harburger Turnerbund, Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft, ATV, Rissener SV oder der FC St.Pauli. Geringer werden würde das Gewicht der kleineren Vereine.
Warm geworden sind die „traditionellen“ Vereine und Sportspaß seit dessen Gründung 1977 nie so richtig miteinander. Der Lifestyle-Verein im Dienstleistungsgewand, der unter zunehmenden Druck kommerzieller Fitness-Ketten geraten ist, tut die anderen gern schon mal als „Vereinsmeier“ ab. Die wiederum werfen Sportspaß vor, nicht ihre umfassende, kostenintensive Jugend- und Sozialarbeit zu leisten. Derzeit laufen Gespräche aller Beteiligten, um die „Solidargemeinschaft“ HSB wieder herzustellen.
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