Sozialarbeiter befürchtet: Ohne Spielhaus mehr Gewalt

Boris Bouchon (l.), Alaaddin Bekirogullari und Maren Vosgerau vom FZ-Sandbek wissen um die Wichtigkeit ihrer sozialen Einrichtung in diesem Viertel, wo sich oft fünf Personen eine Drei-Zimmer-Wohnung teilen. Boris Bouchon: „Die Kürzungen der SPD werden zu einem Anstieg der häuslichen Gewalt führen.“ (Foto: Steffen Kozieraz)

Kürzungen in der offenen Jugendarbeit: Für Sandbek könnten die Folgen verheerend sein

von Steffen Kozieraz, Sandbek
Über dem Freizeitzentrum Sandbek prangt in großen Lettern eine Botschaft: „Wir wollen unsere Jugendclubs behalten!“ „Das haben wir aufgehängt gleich nachdem der Senat beschlossen hatte, zehn Prozent der Mittel für Kinder- und Jugendarbeit zu kürzen“, erklärt Boris Bouchon. Er ist Leiter des Jugendzentrums in einem Quartier, wo gerade mal zwei Einrichtungen der Perspektivlosikeit und Langeweile gegenüberstehen: das FZ Sandbek für die über 14-Jährigen und das Spielhaus für die Jüngeren.
Boris Bouchon ist sich sicher: Da die meisten Einrichtungen finanziell am Limit sind, wird sich der Bezirk auf die Schließung einzelner konzentrieren. Und ganz offensichtlich soll in Sandbek das Spielhaus dran glauben. Damit würde die einzige Einrichtung für Kinder im Stadtteil wegfallen. „Wenn das Spielhaus schließt, dann fallen mehr Kinder durchs Raster. Das wird sich in zehn Jahren rächen, hier Geld zu sparen“, so Bouchon.
In einem Stadtteil, wo noch in den 90ern die Barrikaden brannten, habe die seitdem gewachsene Sozialarbeit einen großen Anteil am Rückgang der Gewalt. So merke der Sozialpädagoge in seinem Jugendclub am sozialen Verhalten ganz genau, wer vorher im Spielhaus war. Ein Bespiel dafür ist der 22-jährige Oulad Mezni. Der erinnert sich: „Im Spielhaus habe ich soziale Kontakte aufgebaut und den Umgang mit Multikulti gelernt.“ Ohne diese Einrichtung hätte er wohl nicht gewusst, wohin. Nun trainiert der angehende Lokführer dreimal die Woche im Kraft-raum des Freizeitzentrums. Darüberhinaus gibt er hier Schülern Nachhilfestunden.
Draußen vor dem Club zeigt Boris Bouchon auf zwei leere Bolzplätze: einer mit bröckelndem Asphalt, der andere aus grobem Kies mit Pfützen. „Das hier sind die einzigen Außenflächen zum Spielen in Sandbek“, sagt Bouchon. Dass seit Jahren alle Anträge abgelehnt wurden, diese Plätze mit einem Gummibelag attraktiver zu machen, sei symptomatisch für Sandbek. Wenn mal Programme für so etwas aufgelegt werden, dann machen sie kurz vor Sandbek halt. „Sandbek wird vom Bezirk vergessen“, so der Einrichtungsleiter. Außer wenn der Rotstift wütet.


Das sagt der Bezirk:
Holger Stuhlmann, Dezernent für Soziales, Jugend und Gesundheit im Bezirk Harburg, will sich zu der Situation für Kinder und Jugendliche in Sandbek und einer möglichen Schließung des Spielhauses nicht äußern. Nur so viel: Bei welchen Jugendeinrichtungen im Bezirk gespart werde, um die vom Senat vorgegebene Kürzung der Mittel um zehn Prozent zu erreichen, entscheide der Jugendhilfeausschuss voraussichtlich im September oder Oktober. „Dann wird entschieden, wie der Haushalt für 2013 aussieht“, so Stuhlmann. AS
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1 Kommentar
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Sabine Wedig aus Altona | 26.07.2012 | 07:26  
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