Sietas Werft ist pleite

Die Sietas Werft blickt einer ungewissen Zukunft entgegen. (Foto: Rolf Fischer)

Neuenfelder Traditionsunternehmen will Stellen streichen – rund 1.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Im März 2009 übernahm der ehemalige Airbus-Geschäftsführer Rüdiger Fuchs die Führung der kränkelnden Sietas Werft, um das Familienunternehmen zu sanieren. Fuchs strukturierte die Traditionswerft um, setzte auf den Bau von Spezialschiffen – darunter ein Offshore-Windkraft-Errichterschiff – und holte neue Aufträge an Land. Doch das reichte nicht, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Zu schwer wogen seine Altschulden und auch die Banken- und Schiffsbaukrise setzte der Werft zu. Die Folge: Die Sietas Werft ist zahlungsunfähig und meldete vergangenen Donnerstag, 17. November, beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz an.
Das Insolvenzverfahren wird voraussichtlich am 1. Februar 2012 beginnen. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Berthild Brinkmann bestimmt, Fuchs will die Unternehmensführung jedoch behalten.
Jetzt bangen 700 Werft-Mitarbeiter um ihre Jobs, denn ihr Chef kündigte im Gespräch mit Wirtschaftssenator Frank Horch an, Arbeitsplätze „in einem nicht unerheblichen Umfang“ abzubauen. Auch die 250-köpfige Belegschaft der zur Sietas-Gruppe gehörenden Neuenfelder Maschinenfabrik wird vom Stellenabbau nicht verschont bleiben. Die Tochterfirma sei jedoch, ebenso wie die Norderwerft, nicht von der Insolvenz betroffen, teilte das Unternehmen mit.
Um möglichst viele Jobs zu retten, will die Wirtschaftsbehörde die Sietas Werft unterstützen. „Ihr Konzept ist zukunftsfähig“, sagte Horch, davon sei der Senat überzeugt. Schon 2009 hatte die Stadt der Werft mit einer Bürgschaft von 34 Millionen Euro unter die Arme gegriffen.
Die Werftarbeiter hatten im Zuge der Sanierung bereits Einschnitte hinnehmen müssen. „Durch den Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie die Verschiebung von Tariferhöhungen haben die Beschäftigten einen erheblichen Beitrag geleistet“, sagt Eckard Scholz von der IG Metall Küste. Die Gewerkschaft fordert nun ein schlüssiges Konzept, mit dem alle Arbeitsplätze erhalten werden können.
Zurzeit wird auf dem Gelände der 1635 gegründetenWerft an fünf Schiffen gearbeitet. Trotz der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens sind die Löhne für die nächsten Monate gesichert: Bis Ende Januar erhalten die Werftarbeiter ein Insolvenzgeld, dass der Höhe ihrer Nettogehälter entspricht. Wie es dann weiter geht, ist unklar.
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