Sie wohnt mitten im Wald

Renate Knerlich unter einem ihrer Bilder: In dem kleinen Wohnzimmer finden mitunter viele Personen Platz, wenn befreundete Nachbarn auf einen Wein vorbeikommen. (Foto: Alexander Pyrkotsch)

Aus der Reihe: Menschen erzählen, wie es sich hier leben lässt

von Alexander Pyrkotsch, Hausbruch
Im Bredenbergsweg gibt es ein Fleckchen, wo die Zeit still zu stehen scheint: Dort lebt die Künstlerin Renate Knerlich seit 38 Jahren mit ihrem Mann und dem Kater Kasimir in einem 64 Quadratmeter großen Haus Marke Eigenbau. Die gebürtige Neugrabenerin wohnte längere Zeit in Harburg, bevor es sie und ihren Mann nach Hausbruch verschlug. „Ursprünglich konnten wir uns ein Leben mitten im Wald schwer vorstellen“, lacht die Mittsechzigerin und fügt hinzu: „Unserer Tochter hat es hier gut gefallen!“
Damals war der Wald noch dichter und Renate Knerlich entwickelte eine Art Hellhörigkeit für die Natur. „Meine Kunst ist naturbezogener geworden“, meint die Malerin. Die vielen Zuzügler ärgern sie dennoch nicht. Man habe tolle Nachbarn gewonnen, die den eigenen Horizont erweitern helfen, sagt Knerlich. „Trotzdem wären einige wohl besser in der Stadt geblieben. Viele kommen in den Wald und würden am liebsten alle Bäume fällen“, kritisiert sie.
Das Ehepaar trinkt gerne gemeinsam Wein, vermisst aber in Hausbruch geeignete Orte dafür. Außerhalb der eigenen vier Wände böte die Umgebung kaum noch gemütliche Lokalitäten. „Die Cuxhavener Straße ist nicht mehr schön. Es fehlen die alten Einzelhändler und vor allen Dingen schönere Fassaden“, bemängelt die bekennende Anhängerin der Romantik. Hinter der Fassade des kleinen Häuschens im Bredenbergsweg verbirgt sich hingegen eine kleine Kunstsammlung: selbstbemalte Fliesen schmücken die kleine Küche, der Aufgang zum Arbeitszimmer ist voller Bilder.
Für die meisten Nachbarn ist die freundliche Frau mit den roten Haaren eine Institution. Regelmäßig lädt sie zu Ausstellungen in ihr Atelier ein und unterhält sich gerne über Literatur, Kunst, Musik, Wein und die aktuelle Tagespolitik mit ihren Nachbarn. „Wir fühlen uns hier sehr wohl, und als Radfahrerin stört mich auch der Verkehr kaum“, sagt sie lächelnd, während ihr Mann den Kater in den Garten entlässt. „Allerdings bekommen Durchreisende ein falsches Bild von Hausbruch. So richtig schön wird es erst ab dem Ehestorfer Heuweg.“
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