Sie will nur noch ihre Ruhe!

Nadine Hinzmann wünscht sich nach dem Unfall nur noch eines: Ruhe. (Foto: Andreas Tsilis)

Nach ihrer Rettung aus der Fischbeker Heide beschert das starke Medieninteresse Nadine Hinzemann Probleme

von Andreas Tsilis, Harburg/Fischbek
Nadine Hinzmann wäre wohl nie losmarschiert, wenn sie geahnt hätte, welche Lawine ihr Sturz in der Fischbeker Heide auslösen würde. Denn der Schrecken fing erst an, nachdem die junge Frau, die stundenlang bewegungsunfähig bei eisiger Kälte in dem Naturschutzgebiet ausharrte, wieder in Sicherheit war. Zeitungen, Funk und Fernsehen hatten über ihre Rettung berichtet, bei der rund 120 Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr, eine Hundestaffel und ein Hubschrauber die Fischbeker Heide nach ihr durchkämmt hatten. Über die Konsequenzen ist die 22-Jährige erschüttert. „Wegen der Berichte wurde mir ein zugesagter Platz in einer Tagesklinik gestrichen“, sagt sie.
Den Absagegrund kann Hinzmann, die seit längerem mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, nicht nachvollziehen: „Die zuständige Therapeutin hat nicht mal nachgefragt, und mir vorgehalten, dass man in der Fischbeker Heide im Dunkeln nicht spazieren geht. Tatsächlich war es aber taghell, als ich unterwegs war.“ Helfen wird ihr die Richtigstellung dennoch nicht. Hinzmann: „Jetzt geht der Kampf um einen neuen Platz wieder von vorne los, telefonieren, Unterlagen zusammenstellen, Aufnahmegespräche führen.“ Bis zur Zusage können nun weitere vier Monate ins Land gehen.
Ganz schön heruntergezogen haben die Mutter eines dreijährigen Kindes auch so manche private Bemerkungen und Kommentare im Internet. „Selbst schuld, was läuft man da rum“, „Rettungskosten aufbürden“ und „man sollte ihr das Sorgerecht entziehen“ bekam sie zu hören.
Besonders der Vorwurf der mangelnden elterlichen Fürsorge schmerzt sie. Uwe Wickborn, Hinzmanns Freund, kann darüber nur den Kopf schütteln. „Mit der Lesekompetenz einiger scheint es nicht weit her zu sein. Nirgends findet sich ein Hinweis, dass unser Sohn bei dem Ausflug dabei gewesen sein soll.“
Dennoch fühlte Hinzmann sich dazu veranlasst, das wirkliche Geschehen klarzustellen. Mit einem TV-Sender fuhr sie noch einmal an den Unglücksort. „Das alles hat zusätzlich weitere acht Stunden beansprucht.“ Jetzt wünscht sich die nach dem Sturz an Krücken laufende Frau nur noch eines: Ruhe.
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