Sich einmal so richtig satt essen

Herbert ist ein eher nachdenklicher Gast beim Grünkohlessen. (Foto: mag)

Weihnachtsfeier beim ökumenischen Frühstück für Obdachlose und Bedürftige

Andreas Göhring, Neugraben – „Schlimm ist es nur, wenn man sein Schicksal nicht annimmt“, sagt Herbert. Ein Vorname, das muss reichen. Mehr will Herbert von sich nicht verraten, nicht seinen vollständigen Namen, nicht sein Alter und auch nichts über das Ereignis, das ihn aus der Bahn geworfen hat. Nun sitzt er in der Turnhalle der Katholischen Schule Neugraben, die heute ausnahmsweise nicht für Sport genutzt wird, sondern über Nacht zum Speisesaal für die Weihnachtsfeier der Obdachlosen und Bedürftigen geworden ist.
Wie Herbert sind rund 50 Personen gekommen, um sich in der Vorweihnachtszeit einmal so richtig satt zu essen und bedienen zu lassen. Und, was steht auf dem Speiseplan? Natürlich Grünkohl – mit allem „Zubehör“. Also mit Kartoffeln, Kohlwurst und Schweinebacke.
Die meisten Gäste, die sich heute verwöhnen lassen, kommen häufiger. Für sie ist das Frühstück für Obdachlose und Bedürftige, das die katholische Heilig-Kreuz-Gemeinde gemeinsam mit den evangelischen Gemeinden Michaelis und Cornelius seit knapp 25 Jahren ausrichtet, ein wichtiger Fixpunkt in ihrem Leben.

Herbert dankt den Helfern: „Ihr seid wunderbar!“

So überrascht es auch nicht, dass fast alle mitsingen, als der Damenchor Neugraben Weih-nachtslieder anstimmt, noch bevor der Grünkohl aufgetragen wird. „O Tannenbaum“, „Ihr Kinderlein kommet!“ – erstaunlich, wie textsicher der Chor der Obdachlosen und Bedürftigen ist. Nicht nur dafür gibt es ordentlich Beifall.
Und immer noch müssen sie auf den Grünkohl warten. Denn zuvor will Gemeindereferentin Nicola Hoffmann noch ein paar Worte loswerden. „Warum feiern wir überhaupt Weihnachten?“, fragt sie in die Runde. „Feiern wir etwa den Geburtstag von Jesus Christus? Nach mehr als 2000 Jahren?“
Nein, vielmehr sei die Menschwerdung Gottes ein Grund zum Feiern. Und die Botschaft, dass jeder Mensch Gott etwas wert ist. Egal, was er ist, was er in seinem Leben erreicht hat, und was er aus seinem Leben gemacht hat.
Auch Herbert erhebt sich und ergreift noch einmal das Wort. Er bedankt sich, im Namen aller Gäste: „Ihr seid wunderbar!“, ruft er den vielen Helferinnen und Helfern aus den Gemeinden zu.
Dann setzt er sich wieder und sagt: „Genug geredet. Lasst mich endlich essen.“
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