Senioren und Jugendliche gehen zusammen surfen

Jung hilft Alt: Der 15-jährigen Tim erklärt seinem Schüler, dem 83-jährige Rolf Spindler, wie er den HVV-Busplan aus dem Internet lädt. Foto: sk

Pilotprojekt: Schüler erklären Älteren Computer, Mail und Internet

von Steffen Kozieraz

Annie Bergmann ist 87 Jahre alt und Schülerin. „Das sind für mich alles böhmische Dörfer, aber die Ana erklärt mir das ganz toll,“ lobt die Seniorin ihre junge „Privatlehrerin“. Insgesamt sind es zwei Gruppen von je sieben Jugendlichen, die jeweils einen Bewohner der Seniorenresidenz Neugraben in die Welt der Computer einführen.
Dabei geht es um die ersten digitalen Babyschritte: den Umgang mit der Maus, Email und Internet. Frank Esselmann, der Leiter der Residenz, erklärt: „Wir haben dieses Pilotprojekt im Oktober gestartet, das Interesse bei den Senioren war sofort da.“ Die Idee zu diesem Lernkonzept wie auch das technische Equipment kommt von der Firma w3mobil, die bereits 40 Projekte dieser Art durchgeführt hat und an die Seniorenresidenz herantrat. Dazu Projektleiterin Andrea Trapp: „Die Ängste, dass man die Technik nicht versteht, sind bei den Senioren groß. Innerhalb von Familien funktioniert dieses Jung-hilft-Alt oft nicht. Da ist man zu ungeduldig, während das mit einer fremden Person viel entspannter ist.“
Doch was sagen die jungen „Lehrer“ – alles Schüler der 8. bis 10. Klasse des Gymnasiums Süderelbe zu ihrem Einsatz? „Es macht mir unheimlich Spaß, dieses Wissen weiterzugeben, auch wenn es relativ schwer ist, so etwas zu erklären,“ meint der 15-jährige Tim. Hier kann er zusammen mit seinem Schüler selbst entscheiden, welches Thema auf dem Lehrplan steht. So möchte der 83-jährige Rolf Spindler Aktienkuse abrufen, Schach spielen und sehen, ob er auf dem Computer besser schreiben kann als auf seiner alten Reiseschreibmaschine.
Schulleiter Thomas Fritsche zeigt sich vom Engagement seiner Schüler begeistert: „Wir brauchten das überhaupt nicht zu pushen. Sofort meldeten sich Schüler, die hier mitmachen wollten.“ Mitte Dezember ist nach fünf Unterrichtseinheiten ihr ehrenamtlicher Einsatz beendet. Doch Gymnasiumsleiter Fritsche und Residenzleiter Esselmann, deren Einrichtungen Nachbarn sind, sind sich einig: Dieses Projekt wollen sie fortführen, eventuell sogar öffentlich machen. Von der Wohnungsbaugenossenschaft gefördert, ist die Teilnahme übrigens kostenlos.
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