Segelflieger verwirrt über neues EU-Gesetz

Vorerst heben die Fischbeker Segelflieger alleine ab. (Foto: Steffen Kozieraz)

Europäische Union untersagt Privatpiloten, zahlende Gäste zu befördern – Fischbeker Verein bangt um Existenz

Seit Wochen schreibt Jens-Arne Reumschüssel Briefe an Behörden. Der Grund: Die Europäische Union hat das komplette Lizenzwesen in der Luftfahrt neu geregelt. Eine neue Richtlinie trifft den Segelflug-Club Fischbek, dessen Vorsitzender Reumschüssel ist, besonders hart: Sie untersagt Privatpiloten, zahlende Gäste zu befördern, wie es bisher nach deutschem Recht erlaubt war. Ab sofort dürfen nur noch Berufspiloten und Luftfahrtunternehmen Entgelt kassieren. „Für uns ist das eine Katastrophe“, sagt der Hobby-Pilot.
Schließlich müssten sich Gäste an den entstehenden Kosten beteiligen. „Wir können es uns nicht leisten, Leute einfach umsonst mitzunehmen“, sagt Reumschüssel. Die rund 3.000 Euro, die durch Gastflüge jährlich in die Kasse fließen, benötige der Verein zudem, um die Gebühren für junge Mitglieder niedrig zu halten. Außerdem seien Gastflüge wichtig, um neue Mitglieder für den Verein zu begeistern.
Der Rechtsanwalt hat die EU-Regelung gründlich studiert und sich an das Bundesverkehrsministerium und der Hamburger Luftfahrtbehörde gewandt. Beide Stellen bestätigten ihm das Verbot. Das will der passionierte Segelflieger nicht akzeptieren. Schließlich könne man im Fall des Segelclubs nicht von Entgelt sprechen. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein und somit per Definition nicht gewinnorientiert“, argumentiert er.
Unterstützung bekommen die Segelflieger vom „Deutschen Aero Club“. Der Luftsportverband wandte sich ebenfalls an das Bundesministerium und bekam dort eine ganz andere Auskunft. Sprecherin Uschi Kirch: „Die Regelung gilt nur für den Motorsport. Segelflieger dürfen weiterhin zahlende Gäste befördern.“ Das Ministerium habe das ihrem Verband gegenüber bestätigt. „In den vergangenen Monaten hat es viel Verwirrung gegeben, und Behörden haben zum Teil falsche Auskünfte erteilt“, erklärt Kirsch. Wenn eine neue Verordnung in Kraft trete, sei es nicht ungewöhnlich, dass sie unterschiedlich interpretiert werde und einiges erst mal geklärt werden müsse. „Wir haben an das Ministerium appelliert, die Sache schnell zu klären“, so die Sprecherin.
In Fischbek bleiben Gastflüge trotzdem bis auf weiteres gestrichen. „Im Schadensfall würde unsere Versicherung nicht zahlen. Das Risiko können wir nicht eingehen“, sagt Reumschüssel.

Das sagt die Hamburger Luftfahrtbehörde:
Die Hamburger Luftfahrtbehörde empfiehlt Segelfliegern, vorerst keine zahlenden Gäste mitzunehmen. „Die Rechtslage ist unklar“, sagt Sprecherin Susanne Meinecke. „Das Bundesministerium versucht die Sache zurzeit mit der EU-Kommission zu klären.“ Wie lange das noch dauern kann, könne sie nicht sagen. AS
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