Sechstklässler im Ring

Zweikampf: „Ich boxe gerne“, sagt Kay (r., mit Yaser, beide 12). „Aber es darf nicht zu brutal werden.“ (Foto: Christopher von Savigny)

Gewaltprävention: Verein „Boxschool“ unterstützt Hamburger Schulen

von Christopher von Savigny, Neugraben
Boxen oder Musical? Für Evelyn (12) war die Sache von vornherein klar: „Tanzen und Singen – solche Kurse mache ich sowieso schon“, berichtet die Sechstklässlerin der Schule „Am Johannisland“. Seit Anfang des Schuljahres nimmt Evelyn zusammen mit 13 Klassenkameraden an einem wöchentlichen Wahlpflichtkurs für Boxen teil. Angeboten wird das Training vom Hamburger Verein „Boxschool“.
Das Prinzip: Durch regelmäßiges Faustkampf-Training sollen die Jugendlichen Technik und Disziplin lernen und nicht zuletzt Dampf ablassen können. Das Angebot wendet sich in ers-ter Linie an Schüler, die bereits durch Gewalttätigkeiten aufgefallen sind. Aber auch an Jugendliche, die sich einfach fürs Boxen interessieren.
Nach einer Aufwärmrunde mit Basketball sind die Schüler schon ganz kribbelig. „Dürfen wir uns schlagen?“, fragt einer der Teilnehmer. Das ist nicht wörtlich zu nehmen: Denn „geschlagen“ wird beim Boxschool-Training lediglich auf den Handschuh des Gegenübers. „Pratzentraining“ nennt man das auch. Der Rest des Körpers ist als Trefffläche tabu. „Den Kopf benutzen wir nur zum Denken und nicht als Ziel“, sagt der Vereinsgründer und Vorsitzende Olaf Jessen. Seit eineinhalb Jahren läuft sein Projekt an Schulen in der Hansestadt, an einer Luruper Schule sogar schon seit sechs Jahren. Insgesamt sieben Schulen nehmen teil, Tendenz steigend. „Boxen wirkt deeskalierend“, sagt Jessen. „Das merkt man auch auf dem Schulhof.“ Allerdings müsse man sich in Geduld fassen. „Durchschnittlich sechs bis zwölf Monate dauert es, bis wir an der Schule akzeptiert sind.“
Trainer Jan Matthäi lässt seine Schützlinge bestimmte Schlagabfolgen einüben („Führhand, Schlaghand!“) und zeigt ihnen die richtige Körperhaltung. „Gerade mit Kindern in dem Alter hat man es nicht immer leicht“, sagt er. „Da freut man sich besonders, wenn es mal richtig gut läuft, so wie heute!“ Fazit: „Ich boxe gerne“, sagt Kay (12). „Aber es darf nicht brutal werden!“
Die Schule am Johannisland will das Boxtraining im nächs-ten Schuljahr auch für Klassenstufe 4 anbieten.
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