Schulessen bald nur noch aufgewärmt?

Seit Mitte Oktober 2011 serviert Zafer Kayaalp in der liebevoll dekorierten Schulkantine der Schule Schnuckendrift belegte Brötchen zum Frühstück. Auch Obst- und Gemüseschalen und Snacks hält er für die Schüler bereit. Ab 13 Uhr können die Kinder seit Dezember ein warmes Mittagessen bei Kayaalp bekommen. „Ich versuche viele gesunde Sachen zu kochen“, erklärt der 34-Jährige. Um die Kantine zu betreiben, hat sich der zuletzt mehrere Jahre lang arbeitslose Neuwiedenthaler selbstständig gemacht.
 
Wie sehr die Grundschüler Zafer Kayaalp ins Herz geschlossen haben, zeigen sie immer wieder mit Bildern und Briefen, die der 34-Jährige stolz an die Wand seiner Küche gehängt hat.

Grundschule Schnuckendrift: Erfolgreiche Kantine gefährdet – Schulbehörde setzt auf Catering

Seit Mitte Oktober 2011 betreibt Zafer Kayaalp die kleine Kantine der Schule Schnuckendrift. Der gelernte Haus- und Ernährungswirtschafter, der zuvor mehrere Jahre lang arbeitslos war, schmiert Brötchen, kocht Mittagessen und hat immer ein wachsames Auge auf die Grundschüler, die in den Schulpausen hungrig vor seinem Tresen stehen. „Für uns ist das ein unglaublicher Gewinn“, sagt Schulleiter Peter Böckstiegel. Doch mit der Zusammenarbeit könnte schon bald Schluss sein. Denn die Behörde hat andere Pläne für die kleine Küche, sobald die Schule Schnuckendrift, wie viele andere Grundschulen, zum Schuljahr 2013/14 mit einem offenen Ganztagsangebot startet.
„Wir sehen generell nur Aufwärmküchen und Catering vor“, sagt Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde. „Alles andere ist zu teuer.“ Die Zusammenarbeit mit Zafer Kayaalp könne nach 2013 also nicht wie bisher weiterlaufen, so Albrecht.
Von Catering will Schulleiter Peter Böckstiegel nichts wissen. Er schätzt den persönlichen Kontakt, den Kayaalp zu den Kindern aufgebaut hat. Der zweifache Vater, dessen Töchter die Grundschule besuchen, kennt alle Kinder, die in die Kantine kommen. Er weiß, wer hungrig ist, weil er von Zuhause kein Pausenbrot bekommt. „Dann gibts von mir einen Apfel, eine Karotte oder Knäckebrot“, sagt Kayaalp. Auch wenn das Kind kein Geld hat.
Böckstiegel will sich dafür einsetzen, dass der Neuwiedenthaler die Kantine weiter betreiben kann. Dafür müsste die kleine Küche erweitert werden, denn mit dem Ganztagsangebot werden voraussichtlich Mittagessen für die Hälfte der 250 Grundschüler gebraucht. Zurzeit kocht der 34-Jährige für 10 bis 15 Kinder. „Das ist jetzt schon eng. Ich brauche größere Geräte und Töpfe“, so Kayaalp.
Dem Ausbau steht seitens der Schulbehörde nichts im Wege – aber eben nur als Aufwärmküche. Bis 2013 soll ein angrenzender Raum in die Küche integriert werden. Wenn die Schule möchte, dass vor Ort gekocht werden kann, müsse sie die Ausbaukosten selbst tragen, erklärt Behördensprecher Albrecht. „Wenn wir uns das leisten können, wollen wir das gerne tun“, sagt Böckstiegel. Er will sich nun bei Fachleuten über die Kosten informieren.


INFO: Aufwärmküchen für alle Grundschulen
Die Hamburger Schulbehörde will in den nächsten Jahren 100 Millionen Euro investieren, um alle Grundschulen mit einer Küche auszustatten. Hintergrund ist die Umstellung der Schulen auf den Ganztagsbetrieb. Bis zum Schuljahr 2013/2014 werden 197 der 204 Grundschulen in Hamburg entweder über ein offenes oder ein gebundenes Ganztagsangebot verfügen. Sowohl bei der freiwilligen als auch verpflichtenden Form des Nachmittagsangebotes werden viel mehr Kinder als bisher in der Schule verpflegt werden müssen. Um dies zu erreichen, plant die Schulbehörde lediglich, die Schulen mit Küchen auszurüsten, in denen große Mengen von gelieferten Gerichten aufgewärmt werden können. Sogenannte Produktionsküchen, die mit genügend Geräten ausgestattet sind, um vor Ort zu kochen, soll es nicht geben.
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