Schüler bestimmen, was sie lernen wollen

Demokratische Schule für den Hamburger Süden: Kinder und Erzieher bei einem von der FLeKS organisierten Sommerfest in Harburg. (Foto: pr)

Unterricht ohne festen Stundenplan - Verein FLeKs plant freie Schule im Hamburger Süden

Christopher von Savigny, Hamburg-Süd - Hamburgs Schullandschaft wird immer bunter: Jetzt möchte im Hamburger Süden eine nicht-staatliche FleKS-Schule („Freies Lernen – Kollektiv & Selbstbestimmt“) eröffnen – es wäre die zweite in der Hansestadt. Aktuell sucht das Gründerkollektiv, das sich aus rund 15 Lehrern, Eltern und Sozialpädagogen zusammensetzt, nach einem geeigneten Standort in Harburg und in Wilhelmsburg.
„Uns ist sehr wichtig, dass die FLeKS eine Schule für alle wird, die die Vielfalt der in Hamburg lebenden Menschen abbildet. Deswegen sind wir in diesen Stadtteilen besonders gut aufgehoben“, sagt Sebastian Oest, einer der Initiatoren.
Grundprinzip der FLeKS ist das selbstbestimmte Lernen: Während der Schulzeit zwischen 8 und 16 Uhr gibt es keinen festen Stundenplan – stattdessen entscheidet jeder Schüler selbst, was, wann und von wem er lernen möchte. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen gehören
wöchentliche Schulversammlungen sowie ein Streitschlichter-Gremium, das etwa dreimal pro Woche tagen soll. Lernangebote finden fächer- und jahrgangsübergreifend statt. Jeder Schüler bekommt eine selbstgewählte Lehrkraft als Mentor und Unterstützer an die Hand.
Die Schülerzahl soll anfangs bei 25 liegen und später bis auf 100 gesteigert werden. Auf diese Weise sollen die Klassen nach und nach von Stufe 1 bis Stufe 10 hochwachsen. In mehreren Kitas in Harburg und Wilhelmsburg haben sich die FleKS-Initiatoren bereits vorgestellt.
Das monatliche Schulgeld soll, je nach Einkommen, zwischen 100 und 180 Euro betragen. Die Initiatoren planen, einen Teil der Schulplätze (rund ein Fünftel) per Stipendium zu vergeben – dafür werden derzeit Sponsoren gesucht. Zum Schuljahr 2017/18 möchte die FLeKS den Betrieb aufnehmen. Noch liegt keine Genehmigung durch die Schulbehörde vor.
Vorbild für die FLeKs sind
unter anderem die Summerhill School in England (Gründungsjahr 1921) und die Neue Schule Hamburg (2007) in Rahlstedt, die von Popsängerin Nena mitgegründet wurde. Ihnen gemeinsam ist der freiheitliche Gedanke. „Wenn Kinder selbst entscheiden, was und wie sie lernen wollen, sind sie auch mit größerer Motivation und mit mehr Verantwortungsbewusstsein bei der Sache“, sagt Oest.

Was sagt die Schulbehörde?
Stellungnahme der Schulbehörde zur geplanten FleKS-Schule: „Zurzeit liegen uns noch keine genaueren
Erkenntnisse vor. Grundsätzlich gilt, dass Privatschulen gemäß Grundgesetz zu
genehmigen sind, wenn sie ein besonderes pädagogisches Interesse nachweisen können. Erst eine genauere Prüfung kann ergeben, ob dies hier der Fall ist. Der Antrag wird entsprechend geprüft, auch im Hinblick auf das Curriculum und die Anschlussfähigkeit an die weiterführenden Schulen.“
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