Scholle oder Butt? Ist doch egal!

In diesem Punkt sind sich alle einig: Der gepflasterte Plattfisch vor dem Aldi-Markt ist eine gelungene Sache – egal ob Scholle oder Butt. (Foto: Annekatrin Buruck)

Falscher Plattfisch auf Finkenwerder Verkehrsinsel ist künstlerische Freiheit

von Annekatrin Buruck, Finkenwerder
Scholle oder Butt – für Uwe Fock, Schollenexperte auf Finkenwerder, ist das ganz egal. „Für mich ist es ein Kunstwerk.“ Mit dieser eindeutig positiven Feststellung hat er auf die Nachricht reagiert, der neu gepflasterte Plattfisch vor dem Aldi-Markt sei gar keine Scholle, sondern eben ein Butt. „Ich finde es toll, dass wir so was hinbekommen haben“, freut sich Fock, der jedes Jahr tausende Schollen nach traditioneller Art trocknet.
Die Diskussion um die wahre Identität des rund fünf Meter langen Fisch-Mosaiks hatte Peter Baron entfacht. Zwar findet auch er die neu gestaltete Verkehrsinsel hervorragend, aber „diese Scholle ist ein Butt“, erklärt er. Steine des Anstoßes sind die Bauchflosse und die schwarzen Punkte – die der Scholle sind orange.
Die falsche Farbe der Punkte könne noch als künstlerische Freiheit durchgehen, findet Baron, die Flosse dagegen nicht. „Die gehört nun mal auf die andere Seite“, so der Experte und gibt auch gleich die fachmännische Erklärung. „Alle Plattfische schwimmen als Babys aufrecht und drehen sich erst später auf den Bauch: Die Scholle nach links, Flunder, Steinbutt und alle anderen nach rechts.“ Dass mit dem Untergang der Fischerei auf Finkenwerder auch das Wissen über das Aussehen des inoffiziellen Wahrzeichens Scholle verloren geht, macht ihn aber ein bisschen traurig.
Schützenhilfe bekommt er von Kurt Wagner. „Von der Sache hat er Recht“, bestätigt der Orts-Archivar, „aber hier geht es um ein Bild – künstlerische Freiheit also.“ Die Macher des originellen Kreisels, der den Verkehr hinter der Flutschutzmauer vor dem Aldi-Markt in geordnete Bahnen lenken soll, sehen die Sache ebenfalls locker. „Unser Regionalbeauftragter Hartwig Behrens hatte mich gebeten, mal einen Entwurf zu zeichnen“, erklärt Friedian Hürdler, Leiter des Hauses der Jugend, zur Entstehung des Fisches. Zur Frage, ob nun Scholle oder Butt, beruft sich auch er auf die künstlerische Freiheit.
So sieht es auch Hartwig Behrens: „Uns ging es darum, die Verkehrsinsel nicht so trist und öde aussehen zu lassen“, findet er und ergänzt: „Beim nächsten Mal werden wir vielleicht bei ‚Brehms Tierleben’ nachschauen.“
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