Schmunzeln, bevor die Abrissbirne kommt

Ein spitzer Eckzahn, große Kulleraugen vom ganz genauen Hinsehen und darüber der Spruch: real eyes realize real lies. Übersetzt in etwa: Wer richtig hinschaut, erkennt die wirklichen Lügen. (Foto: kalhorn)

Straßenkünstler bemalten Industriebrachen - Ausstellung in der Schaufenstergalerie Lütt Enn

Industrielandschaften, die nicht mehr genutzt werden, nur noch vor sich hingammeln – das drückt auf die Stimmung des Betrachters. Nicht so in Wilhelmsburg: Dort waren junge Straßenkünstler am Werk, nutzten die Wände als Leinwand und verbreiteten so gute Laune. Heiner Kalhorn fotografierte die auf diese Weise entstandenen Kunstwerke und stellt die Fotos bis Mitte Juli in seiner Neugrabener Schaufenstergalerie, Lütt Enn 2, aus.
Unter dem Motto „Indus-triebrache – Abschiedsgrüße“ sind im Schaufenster 18 großformatige Fotos zu sehen. Sie dokumentieren den Werdegang nicht mehr genutzter Industrieflächen bis zu ihrem Abriss. „Über alle Wände, Teile, Splitter und die Natur legt sich ein Hauch von farbigem Sargschmuck“, sagt Kalhorn über die Kunst an den zerfallenden Gebäuden. „So geben viele anonyme Künstler den einst so stattlichen Gewerbegebäuden, in denen so viele Menschen Arbeit fanden, einen farbigen Gruß mit auf den letzten Weg, den nun die Abrissbirne bestimmen wird.“
Entstanden sind Kalhorns Fotos im April des vergangenen Jahres auf einem alten Bahngelände in Wilhelmsburg. Es existiert nicht mehr, musste den Bauarbeiten für die neue Wilhelmsburger Reichsstraße weichen.
Ebenfalls in der Schaufens-tergalerie zu sehen: eine alte Darstellung der ehemaligen „Jungfernmühle“ in Hausbruch.
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