Schlecker am Rehrstieg macht dicht

Stammkundin Traute Theissen bedauert, dass ihre Schlecker-Filiale schließt. Die Neuwiedenthalerin kauft seit Jahren am Rehrstieg ein und fühlt sich dort immer gut aufgehoben. „Die Fillialleiterin hat sich immer ganz toll um ihre Kunden gekümmert. Ich bin sehbehindert und sie hat mir immer geholfen“, sagt sie.
 
Ausverkauf bei Schlecker: Bis zum 24. März gibts 30 Prozent auf alle Artikel.

Insolvente Drogeriekette schließt eine ihrer beiden Neuwiedenthaler Filialen

A. Sosnowski, Neuwiedenthal
Massen von Shampooflaschen, Deos und Waschmittelpackungen rollen über das Laufband des Schleckermarkts am Rehrstieg 50. Wenige Tage bevor die Drogerie-Filiale schließt, stürmen Schnäppchensucher das Geschäft. Dort hat der Ausverkauf begonnen, denn seit kurzem steht fest: Am 24. März gehen in 28 der hamburgweit insgesamt 65 Filialen des insolventen Unternehmens die Lichter aus.
Während ihre Kunden immer mehr Produkte aus den halbleeren Regalen in ihre Einkaufswagen schaufeln, haben die beiden Kassiererinnen in der Neuwiedenthaler Schlecker-Filiale alle Hände voll zu tun. Müde und abgekämpft sehen die beiden Frauen aus. Lust auf Fragen haben sie nicht. „Ich sage gar nichts mehr“, so eine der beiden resigniert. Auch die Filialleiterin bringt nur ein knappes „keine Zeit“ heraus.
Um so gesprächiger sind die Kunden. „Für die Leute hier in der Umgebung ist die Schließung sehr ärgerlich“, meint Susanne Friedrichsen. Die Fischbekerin arbeitet im benachbarten Altenheim und weiß, wie viele der Bewohner auf den Markt angewiesen sind. „Viele sind nicht mehr gut zu Fuß, wo sollen sie jetzt einkaufen?“, fragt sie kopfschüttelnd. Anwohnerin Traute Theissen aus der Siedlung im Hausbrucher Moor ist entsetzt über die Schließung. „Ich hab hier alles gekauft, was ich brauche. Meine Bekannten aus der Nachbarschaft auch“, sagt sie und kritisiert mit Blick auf die leerstehenden Geschäfte in der Ladenzeile, in der sich auch Schlecker befindet: „Wir hier hinten sind ganz schlecht dran. Alle Geschäfte machen zu, und jetzt haben wir gar nichts mehr zum Einkaufen.“
Für den zweiten Neuwieden-thaler Schlecker-Markt im Einkaufszentrum Galleria gibt es Entwarnung. Seine Zukunft sei „zunächst sicher“, sagt Schlecker-Sprecher Peter Hacker. Er erklärt: „Vermutlich haben wir uns mit zwei Läden in Neuwiedenthal gegenseitig Konkurrenz gemacht.“ Aufgrund seiner guten Lage im Einkaufszentrum und der höheren Kundenfrequenz sei der Markt in der Galleria wirtschaftlicher gewesen und bleibe geöffnet. Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist dennoch bedrückt. Sie fürchten weiter um ihre Jobs. „Unsere Kunden sind froh, dass wir nicht schließen. Aber es werden nicht alle Kollegen bleiben können“, sagt eine Mitarbeiterin, die nicht namentlich genannt werden möchte.


Schlecker-Insolvenz: Wie geht es weiter?

Vor rund zwei Monaten hat die Drogeriekette Schlecker Insolvenz angemeldet. Jetzt steht fest, dass Schlecker rund 2.200 Filialen schließen muss. Zurzeit bangen bundesweit alle 33.000 Mitarbeiter um ihre Jobs, knapp 12.000 Stellen fallen vermutlich weg. Grundsätzlich gilt jedoch: Es verlieren nicht automatisch die Mitarbeiter der geschlossenen Märkte ihren Arbeitsplatz. „Die Kündigungen folgen sozialen Kriterien und werden in einem Sozialplan mit der Gewerkschaft ver.di ausgehandelt“, erklärt Schlecker-Sprecher Peter Hacker. Zu den Kriterien zählen unter anderem das Alter und die Dauer der Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter. Im Durchschnitt arbeiten pro Schlecker-Filiale drei Kräfte, bei denen es sich hauptsächlich um Frauen handelt. Möglichst viele der von einer Kündigung bedrohten Mitarbeiter sollen ab Ende März in einer Transfergesellschaft aufgefangen werden. Sie erhalten voraussichtlich ein Jahr lang einen Teil ihres monatlichen Gehalts sowie Qualifizierungsangebote und Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Job. Die Finanzierung der Transfergesellschaft ist jedoch noch ungeklärt. Um die Zukunft der verbliebenen Schleckermärkte langfristig zu sichern, sucht Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz einen Investor für die Drogeriekette.
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