Saga lässt über 100 Bäume fällen

Manfred Wolfgang Luser versteht nicht, warum in seiner Wohnsiedlung von Jahr zu Jahr mehr Bäume abgesägt werden. Nun auch diese über 100-jährige Eiche. „Aber nie wird etwas neu angepflanzt,“ sagt der langjährige Anwohner. (Foto: Steffen Kozieraz)

Abholzaktion in Fischbek schockiert Anwohner

von Steffen Kozieraz, Fischbek
Bei Baumstumpf Nummer 53 hört Manfred Luser auf zu zählen. Diesen Anblick kann er nicht länger ertragen. Der alljährliche Baum-Rückschnitt in seinem Wohngebiet zwischen dem Fischbeker Moorlandbogen und dem Ohrnsweg hat für ihn die Ausmaße eines Massakers angenommen. „Es sind schätzungsweise über 100 Bäume mit einem Durchmesser von 10 bis 100 Zentimetern, denen hier der Garaus gemacht wurde. Wollen die aus der Siedlung hier eine Wüste machen?!“, fragt er entsetzt.
Der Vorwurf des 61-Jährigen, der seit 1991 in Fischbek wohnt, gilt der SAGA, denn auf deren Grundstücken standen die Bäume. SAGA-Sprecher Michael Ahrens bestätigt, dass es dieses Jahr dort mehr Fällungen gab als sonst. Zu den Gründen kann er im einzelnen nichts sagen, versichert aber, dass „nur Bäume gefällt wurden, für die eine Genehmigung vorlag“. Laut Hamburger Baumschutzverordnung ist für Bäume ab 25 Zentimeter Stammdurchmesser eine amtliche Genehmigung erforderlich.
Doch warum dieser Kahlschlag an so vielen Pappeln, Buchen, Eiben, Birken und Eichen? „Die meisten der getöteten Bäume waren kerngesund,“ stellt Manfred Luser, der früher in der Holzbranche tätig war und sich gut mit Bäumen auskennt, fest. Zwei einstmals prächtige Eichen schätzt er auf über 100 Jahre.
Warum diese grünen Riesen fallen mussten, weiß die Harburger Bezirksamtssprecherin Marion Göring: „Die Eichen standen zu dicht am Gebäude, so dass Schäden zu erwarten waren.“ Schäden am Gebäude natürlich, das von zwei alten Eichen nach so vielen Jahren nun bedroht wurde. „Wenn man nur eine Seite der Eichen weggenommen hätte, dann wären sie ja windschief geworden,“ erklärt Göring. Deshalb der finale Schnitt mit der Kettensäge.
Manfred Luser, der sich in der Loki-Schmidt Stiftung ehrenamtlich für die Natur einsetzt, kritisiert die von der SAGA beauftragten Baumpflegearbeiten als naturfeindlich und meint: „Jahr für Jahr werden hier zunehmend mehr Bäume gefällt als nötig. Doch wurde in all den Jahren in dieser Siedlung kein einziger Baum gepflanzt!“ Das stimmt nicht ganz: Im vergangenen Jahr pflanzte die Stadt Hamburg im Rahmen der Kampagne „Mein Baum – Meine Stadt!“ gegenüber dem Moorlandbogen 14 eine kleine Zerr-Eiche. Ein Tropfen auf dem heißen Stein angesichts der allein im Februar gut 100 abgeholzten Bäume.
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