Rat per „Helpmail“

Zwölf unter 25-Jährige haben sich 2011 in Hamburg das Leben genommen – Suizid ist nach dem Unfalltod die zweithäufigste Todesursache in dieser Altersgruppe. Das Projekt „U25“ will Jugendliche über das Internet vom Selbstmord abhalten. Zurzeit sucht Nina von Ohlen vom Verein In Via junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren, die als ehrenamtliche Berater mitmachen möchten.

In Via startet Onlineberatung für selbstmordgefährdete Jugendliche – Ehrenamtliche gesucht!

Ziel des Caritas-Projekts „U25“ ist es, jungen Menschen in Krisen und Selbstmordgefahr zu helfen. Suizid ist nach dem Unfalltod die zweit-häufigste Todesursache bei unter 25-Jährigen. Das Besondere an „U25“: Hilfesuchende werden von Gleichaltrigen beraten, und zwar per E-Mail. „So erreichen wir diese Zielgruppe besser. 16- bis 25-Jährige gehen einfach nicht in Beratungsstellen“, sagt Nina von Ohlen vom Verein In Via. Sie will das Projekt, das bereits seit zehn Jahren erfolgreich in Freiburg läuft, jetzt zwei Jahre lang in Neuwiedenthal aufbauen und sucht zehn 16- bis 25-Jährige, die sich ehrenamtlich engagieren wollen.
„Jugendliche haben eine ganz andere Sprache und einen anderen Zugang zueinander“, erklärt von Ohlen. Die sogenannten „Peerberater“ von „U25“ könnten besser auf Ratsuchende eingehen als Erwachsene, weil sie ihre Probleme kennen – vielleicht sogar aus dem eigenen Leben. „Unsere Berater dürfen auch selbst Erfahrungen mit Suizid haben“, so die Pädagogin. „Aber sie müssen aus der Krise raus sein.“
Wer sich als Peerberater bewerben möchte, muss zudem die Bereitschaft mitbringen, sich auf heftige Themen einzulassen, zum Beispiel Essstörungen, Selbstverletzung und Missbrauch. Wie sie in solchen Fällen richtig beraten und was zum Beispiel eine Psychose oder eine Borderline-Störung ist, lernen die Ehrenamtlichen im Rahmen einer Schulung bei In Via im Stubbenhof 1. Die Schulung beginnt im April, das Projekt startet im Herbst.
Wie funktioniert die Beratung? Hilfesuchende können über die Homepage www.u25-hamburg.de Kontakt zu den Peerberatern aufnehmen. Die Beratung ist kostenlos und anonym. „Es entwickelt sich so etwas wie eine Brieffreundschaft“, sagt von Ohlen. Dieser Kontakt zur Außenwelt sei wichtig. „Suizid entsteht ja, weil keine Kommunikation mehr stattfindet und man das Gefühl hat, es gibt nichts mehr, was hilft.“ Bei der Beratung sind die jungen Helfer nicht auf sich selbst gestellt. Von Ohlen liest alle „Helpmails“ gegen, bevor sie verschickt werden. Zudem gibt es regelmäßig Treffen aller Berater, bei denen Fragen geklärt werden können.
Interessierte können sich bei Nina von Ohlen unter Tel. 796 12 758 melden.
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