Radfahrer sind ratlos

Monika Ockelmann braucht ihr Fahrrad jeden Tag. Nachdem zwei Werkstätten in Hausbruch und Neugraben geschlossen haben, fragt sie sich, wo sie ihr Rad in Zukunft reparieren lassen soll.

In Süderelbe gibt es seit Jahresbeginn keine Fahrradwerkstatt mehr

Monika Ockelmann fährt jeden Tag Fahrrad. Wenn die Rentnerin ihre Wohnung in Neuwiedenthal verlässt, geht es meist auf zwei Rädern weiter – ob zum Einkaufen, Sport oder einfach nur für ein bisschen Bewegung. „Ohne Fahrrad bin ich todunglücklich“, sagt die 65-Jährige. Um so entsetzter war Ockelmann, als sie vor kurzem erfuhr, dass es in Süderelbe seit Jahresbeginn keine einzige Fahrradwerkstatt mehr gibt. „Das ist eine Katastrophe“, so die begeisterte Radlerin. „Im Süderelberaum fahren sehr viele mit dem Fahrrad. Alle, mit denen ich spreche, fühlen sich jetzt total hilflos.“
Die Sekretärin im Ruhestand lebt seit 37 Jahren in Neuwiedenthal. „Wir hatten hier früher zwei Fahrradhändler. Ich habe mein Rad bewusst bei einem davon gekauft, weil ich eine Werkstatt in der Nähe haben wollte.“ Um ganz sicher zu gehen, dass sie keinen Tag auf die gewohnte Mobilität verzichten muss, hat sich Ockelmann sogar ein Zweitrad zugelegt. „Wenn man täglich fährt, hat man ja andauernd irgendwas“, meint sie.
War ihre Kette gerissen, oder quietschten die Bremsen, ging Ockelmann bisher entweder in die Selbsthilfewerkstatt der Hamburger Arbeit in Neugraben oder in die Fahrradwerkstatt der Hamburger Arbeitsgenossenschaft Wilhelmsburg (HAGW) in Hausbruch (siehe Kasten) – in beiden Fällen dauerte der Fußmarsch nicht länger als 20 Minuten. Jetzt ist die nächste Werkstatt in Neu Wulmstorf. Ockelmann: „Der weite Weg ist ganz schön beschwerlich, wenn man ein kaputtes Rad schieben muss. Außerdem entstehen für die Fahrt ja weitere Kosten, das kann sich auch nicht jeder leisten.“
Für sie steht fest: Süderelbe braucht eine neue Werkstatt. Deshalb wandte sich Ockelmann hilfesuchend an die Stadtentwicklungsgesellschaft steg in Neugraben. „Es gibt zurzeit eine Versorgungslücke“, bestätigt steg-Mitarbeiterin Frauke Rinsch und verspricht: „Wir werden versuchen, eine Lösung zu finden.“ Sie plant das Problem im Stadtteilbeirat Neugraben zu thematisieren. In diesem Gremium sitzen Lokalpolitiker, Gewerbetreibende und Bürger aus Neugraben. „Vielleicht hat dort jemand einen Vorschlag“, so Rinsch. Wieder eine Selbsthilfewerkstatt einzurichten, wie sie die Hamburger Arbeit betrieben hat, sei jedoch schwierig. Wahrscheinlicher sei, dass sich ein gewerblicher Anbieter finde.


Warum wurden die Werkstätten geschlossen?
Der Träger Hamburger Arbeit hat in der Cuxhavener Straße 386a ein Selbsthilfezentrum mit einem Tauschladen, einem Bistro und einer Fahrradwerkstatt betrieben. Hier waren ausschließlich Ein-Euro-Jobber beschäftigt. Zum Jahresende sind dem Träger alle diese Stellen gestrichen worden. „Deshalb mussten wir den Standort ganz aufgegeben“, erklärt Sprecherin Heike Baumann.
Die HAGW hatte zum Jahresende zwei ihrer insgesamt drei Fahrradwerkstätten geschlossen. Seit dem 1. Januar gibt es die Standorte Veddel und Hausbruch nicht mehr, dafür ist die Wilhelmsburger Werkstatt an einem neuen Standort erweitert worden. Seitdem reparieren vier Mitarbeiter montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr Räder im Reinstorfweg 11. „Für 20 Euro holen wir Fahrräder in Süderelbe ab und bringen sie repariert wieder zurück“, sagt Bernhard Carrie, Mitglied des HAGW-Vorstandes. Das Angebot gilt jedoch erst ab zwei kaputten Fahrrädern. Kontakt: Tel. 67 38 92 55.
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1 Kommentar
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Andreas Scharnberg aus Neugraben | 22.02.2013 | 14:25  
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