Plötzlich standen vier Personen vor der Tür

Nach der Sturmflut wollte Sonja Roesnik helfen und erlebte eine Enttäuschung.

Fischbekerin Sonja Roesink nahm nach der Flut eine Neuenfelderin und ihre Kinder auf

An die Tage nach der Sturmflut kann sich Sonja Roesink noch gut erinnern. In Fischbek war die damals 27-Jährige mit ihrem Mann und den vier Kindern zwar vom Wasser verschont geblieben. Doch das Leid derer, die in den Fluten alles verloren hatten, berührte die Familie. „Die Schule meiner Söhne diente als Notunterkunft“, erinnert sich Roesink. „Die beiden haben sich dort umgesehen und waren ganz erschüttert.“ Eng und laut sei es in den Klassenräumen gewesen, voller verstörter Menschen und schreiender Kinder. Die Fischbekerin beschloss zu helfen.
„Die Kinder sollten sehen, dass man mehr tun kann, als nur Mitleid zu haben“, erzählt die 77-Jährige. Mit der Idee, eine Mutter mit Baby aufzunehmen, machte sie sich auf den Weg zur Schule Fischbek. Mehr als zwei Menschen könne sie jedoch aus Platzgründen nicht aufnehmen, gab sie in der Notunterkunft an.
Schon bald klingelte es an der Tür. Dort standen statt der erwarteten zwei, plötzlich vier Personen. „Eine Frau mit Baby im Arm und zwei Kleinkinder“, erinnert sich Roesink. Ziemlich verärgert sei sie gewesen, aber die Familie abzuweisen, kam für sie nicht in Frage. Stattdessen zogen Roesinks Mann und sie ins Wohnzimmer und überließen ihr Zimmer den Neuankömmlingen. „Wir mussten eben zusammenrücken“, sagt die resolute Dame.
Doch die Frau aus Neuenfelde zeigte sich alles andere als dankbar. „Frau B. wollte gar nicht mit uns reden und hielt unsere Hilfe wohl für selbstverständlich“, erinnert sich Roesink. Schlimmer noch: Ihre neue Untermieterin vernachlässigte die eigenen Kinder. „Sie kochte nur für das Baby. Ich weiß nicht was die anderen aßen.“ Zudem sperrte sie ihren dreijährigen Sohn und die eineinhalbjährige Tochter alleine in dem kleinen Zimmer ein, wenn sie das Haus verließ. Roesink: „Die Kleinen weinten und schrien. Durch die Tür konnte ich sie kaum beruhigen.“ Wiederholt habe sie versucht, mit der gleichaltrigen Frau zu sprechen, doch die schaltete auf stur. Schließlich wandte sich Roesink an die Fürsorge: „Der waren die Kleinen schon als ,Sorgenkinder’ bekannt.“
Nach sechs Wochen fand man eine Unterkunft für die Neuenfelder. Roesink hat das Erlebte nie vergessen. „Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt und war sehr enttäuscht“, sagt sie und fügt nachdenklich hinzu: „Bei uns hat sich Frau B. nicht wohlgefühlt. Wahrscheinlich wären sie und ihre Kinder besser unter den Menschen geblieben, die das gleiche Los getroffen hatte.“
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