Ostheide: Raser in der Tempo-30-Zone?

Die Bewohner der Ostheide haben die Nase voll. Viele von ihnen beschweren sich schon seit Jahren bei der Polizei über Autofahrer, die durch ihre Straße rasen – gebracht hat es bisher nichts.
 
Noch verdecken Zweige das Verkehrsschild in Walter Marsands Straße – laut Bezirksamt Harburg will sich der Wegewart darum kümmern.

Anwohner klagen über Temposünder, Polizei: „Hier rast niemand!“

Die von Einfamilienhäusern gesäumte Straße Ostheide sieht ruhig und beschaulich aus. Doch der Schein trügt, meinen Walter Marsand und rund 15 seiner Nachbarn. Denn in der Tempo-30-Zone hielten sich nur die wenigsten Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzung, berichten die Anwohner. Nicht wenige rasten sogar mit bis zu 80 Stundenkilometern durch das Wohngebiet. „Die nageln hier im Tiefflug“, sagt Marsand und Bärbel Schomers ergänzt: „Heute morgen um acht hab ich gedacht, das ist ‘ne Rennstrecke.“
Marsand sorgt sich besonders um Kinder, die jeden Tag auf dem Weg zur Stadtteilschule Fischbek/Falkenberg zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch die Ostheide kommen. „Autos überholen Schulkinder viel zu schnell oder bedrängen sie“, erzählt er. Immer wieder habe er die Polizei auf das Problem aufmerksam gemacht und sich auch an die Politik gewandt. Bisher sei auf sein Bitten hin lediglich das Tempo-30-Zone-Schild um ein paar Meter versetzt worden. Jetzt steht es gut sichtbar direkt an der Einmündung der Ostheide in die Neugrabener Bahnhofstraße. „Davor war es meistens von parkenden Lkw verdeckt“, berichtet Marsand.
Doch das Schild allein wird niemanden vom Rasen abhalten, sind sich seine Nachbarn sicher. „Damit hören die Leute erst auf, wenn es richtig wehtut“, sagt Kirsten Wiedner. Sie fordert einen Blitzer für die Straße. „Blitzer haben keine abschreck-ende Wirkung“, sagt Rolf Zcernikow vom Polizeikommissariat 47. Autofahrer würden kurz vor dem Gerät abbremsen, nur um dahinter wieder auf die Tube zu drücken. Zudem setze die Polizei bei Temposündern auf Verkehrserziehung. Beamte messen in betroffenen Straßen die Geschwindigkeit und ermahnen Autofahrer, die sich nicht an das Tempolimit halten, sofort. Das habe man auch in der Ostheide versucht und dabei eine erstaunliche Feststellung gemacht: „Meine Kollegen haben dort zwei Stunden gestanden, und es ist kein einziger Autofahrer zu schnell gefahren. Das habe ich noch nie erlebt“, berichtet Zcernikow. Sein Fazit: „Hier rast niemand!“
Dass die Polizei niemanden erwischt hat, wundert Anwohner Peter Kwasniewski nicht. „Die standen so gut sichtbar, dass alle rechtzeitig bremsen konnten. Das ist doch Verarschung. Solche Messungen kann man sich sparen!“
Der Neugrabener SPD-Abgeordnete Heinz Beeken sieht keinen weiteren Handlungsbedarf in der Straße. „Mein persönlicher Eindruck ist, dass man dort wegen der parkenden Autos Schlangenlinien fahren muss und gar nicht schnell durchfahren kann“, sagt er. Beeken will sich dennoch in den nächsten Wochen mit Vertretern der Polizei vor Ort umsehen und mit Anwohnern sprechen.



Spielende Kinder – Verkehrsschild zugewachsen
Von der Straße ist es kaum noch zu erkennen: Das Verkehrsschild „Spielende Kinder“ in der Ostheide wird von Zweigen der Straßenbäume verdeckt. Doch spätestens Ende Oktober, wenn der angrenzende Spielplatz wieder eröffnet wird, müssten Autofahrer darauf aufmerksam gemacht werden, hier vorsichtig zu fahren, meint Walter Marsand. „Ich habe das Schild schon mehrfach freigeschnitten. Noch einmal mache ich das nicht. Dafür gibt es doch schließlich einen Wegewart“, meint der Neugrabener verärgert. Der wird sich in den kommenden Tagen darum kümmern, verspricht Bettina Maak vom Bezirksamt Harburg.
Dennoch könnte das Verkehrsschild bald ganz verschwunden sein, denn laut Polizei hat es in der Ostheide nicht zu suchen. „In Tempo-30-Zonen gibt es das Schild ,Spielende Kinder’ grundsätzlich nicht“, erklärt Rolf Rolf Zcernikow vom Polizeikommissariat 47. Voraussetzung sei jedoch, dass es wie in der Ostheide ein Fußgängerschutzgitter am Spielplatz gibt – so steht es in einer Verwaltungsvorschrift. AS
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