Olympia in Hamburg: das Ende für Moorburg?

So könnte das Olympiastadion auf dem Kleinen Grasbrook aussehen. (Foto: Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp), Büro Gärtner und Christ)
 
Rainer Böhrnsen: „Moorburg als Ersatz für den Kleinen Grasbrook? Das wäre nicht legal.“ (Foto: mag)

Stadion für die Olympischen Spiele auf dem Kleinen Grasbrook geplant –
Hafenwirtschaft braucht Ersatzflächen, im Blickfeld: Moorburg und Francop

Bernhard Bruno, Hamburg-Süd - Hamburg hat sich für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 beworben. Angeblich begrüßen knapp zwei Drittel der Hamburger diesen Schritt. In Moorburg dürfte sich dafür keine Mehrheit finden. Denn schon gibt es Äußerungen hochrangiger Senatsvertreter, nach denen die Stadt „gezwungen“ sein müsste, Moorburg und wohl auch Teile Francops für das große Sportfest zu opfern.
Seit 1982 liegt Moorburg im Hafenentwicklungsgebiet, und damit hat die Stadt offiziell festgeschrieben, dass sie eines Tages ganz auf das Elbdorf verzichten will.
Viele Moorburger hoffen, dass sich das wegen der unsicheren Prognosen für die Zukunft des Hafens auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben könnte.
Doch jetzt droht neue Gefahr.
Hamburgs Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter hat in der Begleitgruppe zur Entwick-lung des Harburger Binnenhafens ausgesprochen, was die Moorburger längst befürchten.
Wenn Hamburg den Zuschlag für die Olympischen Spiele – egal ob 2024 oder 2028 – bekommt, werden nicht nur einige Verkehrsprojekte wie der achtspurige Ausbau der Elbtunnel-Autobahn und die Weiterführung der A26 um Moorburg herum, hin zur A1 bei Stillhorn vorangetrieben. „Weil wir das Olympiastadion und das olympische Dorf auf dem Kleinen Grasbrook bauen wollen, müssen wir der Hafenwirtschaft Ersatzflächen zur Verfügung stellen“, sagte Walter. „Und dafür werden wir auf jene Gebiete zurückgreifen, die im Hafenentwicklungsgesetz längst benannt sind.“
Rainer Böhrnsen hatte so etwas befürchtet. Der Mit-Eigentümer der legendären „Moorburg“ kämpft seit Jahrzehnten gegen die Senatspläne und sieht sich immer wieder bestätigt, wenn die Hafenwirtschaft ihre Prognosen für den Containerumschlag über den Haufen werfen muss. Bei der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority ist er als Kritiker gefürchtet, weil er alle einschlägigen Gesetze, Drucksachen und Tischvorlagen bis ins Detail kennt.
Böhrnsen: „Dieser Flächentausch wird durch das Hafenentwicklungsgesetz nicht gedeckt. Aber das stört die Olympia-Euphoriker überhaupt nicht. Moorburg als Ersatzfläche für eine hafenfremde Nutzung wäre nicht legal.“


Das sagen die Moorburger
Heike Herder: „Die Moorburger freuen sich nicht über die Bewerbung für die Olympischen Spiele. Sollte es zu einer Befragung der Bevölkerung kommen, werden sich die Moorburger sicherlich dagegen aussprechen. Wir haben die Befürchtung, dass Moorburg platt gemacht wird.“

Peter Renck, TSV Moorburg: „Ich fürchte, dass Moorburg unter einer Olympiade in Hamburg wie durch die Hafenerweiterung, die ja in den letzten Jahren nicht mehr zu befürchten war, letzlich doch ziemlich leiden wird. Wir als Moorburger TSV müssen dann damit rechnen, unsere Heimat zu verlieren. Ich persönlich halte nichts von einer Olympia-Bewerbung Hamburgs, da der Breitensport davon nicht profitieren wird.“ KI

Bestandsschutz
Moorburg hat bis 2035 Bestandsschutz. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Ort bis zu diesem Zeitraum garantiert bestehen bleibt. Bestandsschutz bedeutet lediglich, dass die Eigentümer von Flächen entschädigt werden, wenn enteignet werden sollte.
Wird heute ein Grundstück in Moorburg verkauft, hat die Stadt ein Vorkaufsrecht. Das heißt: Bevor es auf dem freien Markt verkauft werden kann, muss das Grundstück der Stadt angeboten werden. Schon jetzt kauft die Stadt immer weitere Grundstücke in Moorburg auf. Würde Moorburg bis 2035 platt gemacht, müsste die Stadt für ihre eigenen Flächen natürlich keine Entschädigung zahlen. KI
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