Mütter kämpfen für Spielhaus

Heidi Mestmacher (l.) und Zekiye Akin fürchten, dass das Spielhaus Neuwiedenthal den Sparmaßnahmen des Senates zum Opfer fällt. Dagegen wollen sie kämpfen. (Foto: Sabine Langner)

Neuwiedenthalerinnen starten Unterschriftenaktion für bedrohte Kindereinrichtung

von Sabine Langner, Neuwiedenthal
Mehr als 500 Unterschriften haben Neuwiedenthals Mütter schon gesammelt, und es werden täglich mehr. Sie kämpfen gegen die drohende Schließung des Spielhauses am Rehrstieg. Seit 1969 treffen sich hier Kinder und Jugendliche. Doch jetzt steht diese städtische Einrichtung auf der Streichliste.
60.857 Euro kostet es pro Jahr, den Betrieb des Spielhauses Neuwiedenthal mit dem dazugehörigen Bauspielplatz Baui aufrechtzuerhalten. Dafür können Kinder bis 14 Jahren montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr kommen. Morgens gibt es noch ein paar Krabbelgruppen für die ganz Kleinen und ihre Eltern. Ab mittags stehen Kochen und Basteln, Tanzen, Tischtennis, Breakdance und Fußball, eine Mädchengruppe und ein Computerkurs auf dem Programm. „Ich gehe jeden Tag ins Spielhaus“, berichtet der zehnjährige Abdullah. Der Junge besucht die fünfte Klasse des Friedrich-Ebert-Gymnasiums in Heimfeld. „Das ist cool. Ich treffe hier meine Freunde und wir spielen zusammen“, sagt Abdullah.
Auch für Mütter ist das Spielhaus ein Segen. „Wenn ich einkaufen muss oder mal einen Arzttermin habe, dann weiß ich meinen Sohn hier in den allerbesten Händen“, sagt Zekiye Akin. „Wenn das Haus geschlossen wird, dann fürchten viele von uns, dass die Kinder auf der Straße herumhängen. Das kann keine sinnvolle Alternative sein. Daher sammle ich auch Unterschriften für den Erhalt des Hauses.“ Eine weitere Kämpferin für die Sache ist Heidi Mestmacher. Sie ist in Neuwiedenthal aufgewachsen und hat schon als Kind das Spielhaus kennengelernt. Später waren ihre Söhne hier zu Gast. „Das ist eine prima Einrichtung“, sagt die Mutter. „Hier treffen so viele Kulturen friedlich aufeinander. Es gibt ein gutes Angebot, und die Kinder sind gut betreut. Ganztagsschulen können das nicht leisten. Es gibt zu wenig Lehrer, und die Konzepte sind noch gar nicht ausgereift.“
Um ihrem Zorn Ausdruck zu verleihen, planen die Mütter und auch einige Väter am heutigen Mittwochabend, gemeinsam in den Jugendhilfeausschuss des Bezirks Harburg zu gehen und die gesammelten Unterschriften zu übergeben.



Sparpläne des Hamburger Senats:
Wie berichtet, will der Hamburger Senat pro Jahr zukünftig zehn Prozent bei der Kinder- und Jugendarbeit einsparen. Begründet wird dieser Schritt damit, dass zukünftig alle Schulen in Ganztagsschulen umgewandelt werden und die Kinder daher keine externe Nachmittagsbetreuung mehr brauchen. Doch bisher sind die Ganztagsschulen nicht überall fertig, und so treffen die Streichpläne auf erbitterten Widerstand bei Eltern, Kindern, Oppositionspolitikern und Trägern, die offene Kinder- und Jugendarbeit anbieten. Mit wie viel Geld die Sozialbehörde in 2013 und 2014 auskommen muss, entscheidet sich jedoch erst entgültig, wenn der Senat den Doppelhaushalt im Herbst verabschiedet hat. Dann berät der Jugendhilfeausschuss des Bezirks Harburg darüber, welche Einrichtungen geschlossen werden müssen und wo gespart wird. SL/AS
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